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Sabine Finkmann mit Präsentation vor Publikum

Unternehmen

Blick aufs Display, blind fürs Team? Eine Kommunikationsexpertin über Menschlichkeit als Führungskompetenz

Schuhe poliert? Fingernägel kontrolliert? Und bitte nur stilles Wasser! Bewerbungsgespräche scheinen nur allzu oft einem unsichtbaren Regelwerk zu folgen. Zwischen Smalltalk, Händedruck und »Kaffeetassen-Test« wird versucht, möglichst viel über das Gegenüber herauszufinden. Doch wie viel sagen solche Vorgänge wirklich über Persönlichkeit, Teamfähigkeit oder Führungspotenzial aus? Sabine Finkmann meint: erstaunlich wenig. Die Expertin für Mimikresonanz und Wirtschaftsprofiling plädiert für einen Perspektivwechsel – weg von rigiden Strategien, hin zu echter Menschenkenntnis! Warum gegenseitiges Verständnis ein unterschätzter Erfolgsfaktor ist und welche Skills Führungskräfte hierfür wirklich benötigen, hat sie uns im Interview verraten.

Frau Finkmann, in Bewerbungsgesprächen hört man immer wieder von Tricks wie dem »Kaffeetassen-Test« oder dem Händedruck als Entscheidungshilfe. Aber können solche Kriterien nicht auch zu Fehleinschätzungen führen – wie sinnvoll sind sie wirklich?

Solche Tests wirken unterhaltsam, fast ein bisschen psychologisch – aber in Wahrheit sind sie kaum belastbar. Ein Händedruck sagt wenig über Authentizität aus und ob jemand eine Tasse in die Küche zurückstellt, hängt von der Erziehung, der Tagesform oder dem kulturellem Hintergrund ab, aber nicht von seiner Teamfähigkeit. Natürlich ist Beobachtung wichtig – aber sie muss fundiert sein. In meiner Arbeit mit Mimikresonanz und Wirtschaftsprofiling geht es genau darum: Menschen nicht aufgrund eines einzelnen Verhaltens zu bewerten, sondern ganzheitlich zu erfassen. Mikroexpressionen, Humanmorphologie, Körpersprache, sprachliche Muster und nonverbale Inkongruenzen geben Hinweise, die – im richtigen Kontext – erstaunlich viel über Denkweisen, Stärken, Potenziale aber auch über mögliche Konflikte verraten. Ein Händedruck ist kein Charakterprofil. Wer wirklich hinsieht, braucht keine Tricks.

Galt früher vor allem der IQ als entscheidend, scheint heute der Fokus stärker auf emotionaler Intelligenz zu liegen. Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für den beruflichen Erfolg – und wie können diese Fähigkeiten gezielt gefördert werden?

Der IQ öffnet Türen. Doch ob man in diesen Räumen bleibt und gedeiht, hängt vom EQ ab – also von der Fähigkeit, sich selbst und andere wirklich zu verstehen. Emotional intelligente Menschen können Situationen besser einordnen, kommunizieren klarer und wirken verbindlicher – das ist heute entscheidender denn je. Das Gute ist: Diese Fähigkeiten lassen sich trainieren. In meinen Profiling-Analysen und Coachings zeige ich, wie man Mikroexpressionen erkennt, Körpersignale deuten lernt, sich in Gesprächen emotional orientieren kann, aber auch die eigenen Potenziale und Herausforderungen wahrnimmt und verstehen lernt. Wer diese Skills beherrscht, trifft bessere Entscheidungen – und bleibt auch in schwierigen Situationen souverän. Menschenkenntnis beginnt da, wo Urteile enden – und wo echte Resonanz entsteht.

Sie haben sich auf Mimikresonanz und Wirtschaftsprofiling spezialisiert. Was bedeutet das genau? Wie unterstützt es Führungskräfte und Unternehmen?

Wirtschaftsprofiling kombiniert Elemente aus der Humanmorphologie, Verhaltenspsychologie, Körpersprache, Kommunikationstheorie und Neurowissenschaft mit jahrelanger Praxiserfahrung. Es ist keine Spielerei, sondern ein strategisches Werkzeug für Führung, Personal- und Persönlichkeitsentwicklung, Vertragsverhandlungen oder Change-Prozesse. Mimikresonanz ist dabei ein zentraler Bestandteil: Mikroexpressionen zeigen oft in Sekundenbruchteilen, was Menschen fühlen, bevor sie es in Worte fassen – oder, obwohl sie es zu verbergen versuchen. Wer das erkennt, sieht nicht nur Potenziale, sondern auch Blockaden, Unsicherheiten oder unausgesprochene Bedenken. Gesichter erzählen Geschichten, die Worte nie schreiben könnten. In meinen Trainings geht es nie um Manipulation oder Bewertung, sondern darum, Menschen wahrhaft zu erkennen. Um das, was sie antreibt, was sie zurückhält und was sie wirklich brauchen, um in ihrem Job zu wachsen. Gute Menschenkenntnis ist kein Luxus – sie ist ein wirtschaftlicher Vorteil.

Untersuchungen zeigen, dass unsere Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, abnimmt. Woran liegt das – und was bedeutet das für die Arbeitswelt?

Wir schauen mehr auf Bildschirme als in Gesichter. Die nonverbale Kommunikation leidet unter der zunehmenden Digitalisierung durch E-Mails, Messenger-Dienste, Videocalls und digitalem Dauerstress. Emotionale Nuancen – ein Hauch von Ärger, ein Zögern vor einer Antwort, ein kurzes Anheben der Augenbraue – gehen dabei oft verloren. Wir sehen weniger, hören selektiver und fühlen uns trotzdem zunehmend überfordert im Umgang mit anderen. Das Ergebnis: Missverständnisse häufen sich. Konflikte eskalieren schneller. Führungskräfte greifen zu Kontrollmechanismen, weil ihnen das Gespür fehlt, was im Team gerade »unsichtbar« vor sich geht. Und genau da setzt meine Arbeit an: Ich schärfe die Wahrnehmung, stärke die Verbindung und helfe dabei, wieder echt und klar zu kommunizieren. Wenn du Emotionen lesen kannst, erkennst du Konflikte, bevor sie eskalieren.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für moderne Führung – gibt es neue Skills, die in Zukunft unverzichtbar sein werden?

Führung bedeutet heute mehr denn je: Verbindung schaffen. Wer führen will, braucht mehr als Ziele, KPIs und Strategien – er oder sie braucht Gespür. Für Spannungen im Team. Für unausgesprochene Bedürfnisse. Für individuelle Potenziale. Das erfordert neue Fähigkeiten: emotionale Differenzierung, Perspektivwechsel, Deeskalation durch nonverbales Verstehen. In meinen Führungstrainings und Profiling-Coachings zeige ich, wie genau das geht. Es ist keine Magie – es ist Handwerk, verbunden mit Haltung. Und es verändert nicht nur, wie geführt wird, sondern auch, wie sich Mitarbeitende gesehen fühlen. Führen heißt nicht: überzeugen. Führen heißt: erkennen. In einer Welt voller Veränderung, Unsicherheit und Automatisierung bleibt eines stabil: die menschliche Verbindung. Wer versteht, wie Menschen ticken, agiert mit Klarheit, Weitblick und Authentizität. Wirtschaftsprofiling und Mimikresonanz sind keine Modeerscheinungen – sie sind Antworten auf die drängendsten Fragen von heute: Wie erkenne ich Talente und Potenziale? Wie verhindere ich Fehlbesetzungen? Wie bleibe ich menschlich in einer Welt, die sich ständig verändert? Die Lösungen sind da – man muss nur hinsehen!

Bild: Sabine Finkmann in rotem Blazer Unsere Gesprächspartnerin:

Sabine Finkmann ist Wirtschaftsprofilerin mit über 15 Jahren Erfahrung in der Analyse menschlichen Verhaltens und der Optimierung von Personalentscheidungen.

Beitragsbilder: Ronny Barthel, Daniela Möllenhoff

 

 

 

AS (L)

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