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Allianz-Risikobarometer 2026: KI wird zur doppelten Bedrohung

In der neuen Ausgabe des Allianz Risk Barometer stuft der Industrieversicherer Allianz Commercial künstliche Intelligenz erstmals als eines der größten globalen Geschäftsrisiken ein. In der Rangliste für 2026 springt KI vom zehnten auf den zweiten Platz und liegt damit direkt hinter Cybervorfällen, die mit 42 Prozent der Nennungen zum fünften Mal in Folge als Top-Risiko gelten. Für 32 Prozent der befragten Risikoexperten weltweit zählt KI inzwischen zu den größten Gefahren für Unternehmen, quer durch nahezu alle Branchen.

Die Allianz beschreibt KI als zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite eröffnen die Systeme Produktivitätsgewinne, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle. Auf der anderen Seite werden sie selbst zum Risikofaktor – nicht nur, weil Cyberkriminelle KI für immer raffiniertere Angriffe nutzen. Das Risikobarometer weist ausdrücklich darauf hin, dass auch ohne böswillige Akteure erhebliche Schäden entstehen können, etwa wenn Unternehmen auf fehlerhafte Daten vertrauen oder Entscheidungen automatisiert treffen lassen, die sich im Nachhinein als falsch oder diskriminierend erweisen.

Damit wird KI zur doppelten Bedrohung: Sie verstärkt bestehende Cyberrisiken, indem sie Angriffsmethoden wie Phishing, Deepfakes oder automatisierte Schwachstellensuche effizienter macht, und sie schafft zugleich neue operative, rechtliche und Reputationsrisiken innerhalb der Unternehmen selbst. Die Allianz verweist darauf, dass viele Firmen zunehmend auf Drittanbieter für kritische Daten und Dienste angewiesen sind. KI vergrößere in diesem Gefüge die Angriffsfläche und verschärfe vorhandene Schwachstellen zusätzlich, weil mehr Systeme vernetzt und automatisiert würden.

Das Risikobarometer basiert auf einer weltweiten Umfrage unter mehreren Tausend Risiko- und Versicherungsfachleuten aus über hundert Ländern, darunter Risiko-Manager, Versicherungsbroker und Führungskräfte. Ähnliche Erhebungen der vergangenen Jahre erreichten rund drei tausend bis knapp vier tausend Teilnehmer und erlauben eine Top-Ten-Auswertung für zahlreiche Länder und Branchen. Auf globaler Ebene folgt hinter Cyberattacken und KI das Thema Betriebsunterbrechung, das weiterhin eng mit geopolitischen Spannungen, Lieferkettenproblemen und Naturkatastrophen verknüpft ist.

In Deutschland bleiben Cyberangriffe und Betriebsunterbrechungen ebenfalls die beiden wichtigsten Risiken. Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung rücken vor dem Hintergrund politischer Unsicherheiten auf Rang drei vor. KI-Risiken tauchen hier zum ersten Mal eigenständig im Ranking auf und belegen Platz vier. Das zeigt, dass das Thema inzwischen nicht mehr nur als Technologietrend, sondern als strategische Managementaufgabe wahrgenommen wird.

Mehrere Auswertungen des Allianz-Risikobarometers betonen, dass Unternehmen KI nicht isoliert betrachten können. Die Technologie wirkt als Katalysator in bestehenden Risikofeldern – von Cybersecurity über Compliance bis hin zu Lieferketten und Geschäftsunterbrechungen. Zugleich wächst der Druck, Gouvernance-Strukturen, Datensicherheit und Haftungsfragen zu klären. Der aktuelle Bericht interpretiert den Aufstieg von KI auf Rang zwei deshalb als Signal, dass sich Risiko-Management und Unternehmensführung schneller auf eine Welt einstellen müssen, in der autonome oder halbautonome Systeme zunehmend operative Entscheidungen mitgestalten.

SK

Beitragsbild: Depositphotos / shmeljov

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