Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und künstliche Intelligenz wird dabei immer mehr zum treibenden Motor. Von der Optimierung alltäglicher Prozesse bis hin zur Bewältigung von Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel stellt sie für Unternehmen eine große Chance dar. Im Interview beleuchtet Przemyslaw Wesolka, Experte für Atlassian-Systeme, wie diese technologischen Entwicklungen die Arbeitswelt revolutionieren können.
Herr Wesolka, wie bewerten Sie den derzeitigen Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die täglichen Arbeitsprozesse in Unternehmen?
Wenn wir auf die täglichen Arbeitsprozesse in Unternehmen schauen, dann ist der Einfluss von künstlicher Intelligenz heute noch geringer, als er technisch sein könnte. In Unternehmen entstehen derzeit zwei Realitäten. Einerseits wirkt Prozessautomatisierung sofort: Abläufe werden schneller, Durchlaufzeiten sinken, Fehlerraten gehen zurück. Mitarbeitende spüren unmittelbar Entlastung und Produktivitätsgewinne – das motiviert und reduziert Skepsis. Gleichzeitig entsteht jedoch das »Problem nach dem Problem«: Wenn Fehlerraten sinken, Durchlaufzeiten kürzer werden und Prozesse insgesamt schneller laufen, führt das oft zu einem höheren Arbeitsvolumen. Es muss mehr Ware gelagert, schneller nachgeliefert oder in kürzerer Zeit verarbeitet werden. Dadurch entstehen neue Anforderungen, zusätzliche Engpässe und wiederum neue Potenziale, aus denen weitere Erkenntnisse gewonnen werden können.
Inwiefern können kleine Anpassungen in den Arbeitsabläufen durch KI einen großen Unterschied machen?
Schon kleine Schritte machen einen großen Unterschied, wenn sie die Ressource Mensch entlasten. Routinearbeiten, wiederkehrende Aufgaben und regelbasierte Prozesse gehören in die Hände der KI. Dadurch steigt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Qualität. Fehler reduzieren sich drastisch, Reibungsverluste sinken und Ressourcen – Zeit, Aufmerksamkeit, Fokus – werden frei. Wenn Menschen ihre Energie auf Wertschöpfung richten können statt auf Administration, steigt der Output eines Unternehmens oft um ein Vielfaches. Hier liegt das echte Potenzial.
Welche Rolle spielt KI im Hinblick auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel?
Wir steuern in vielen Branchen nicht erst auf einen Fachkräftemangel zu – wir stecken längst mittendrin. Und genau hier schafft KI Entlastung. Natürlich kann KI nicht jeden Beruf ersetzen, aber sie kann unterstützende Prozesse übernehmen, damit Menschen wieder Zeit für das Wesentliche bekommen – besonders in Bereichen wie Pflege, Bildung oder Handwerk, wo menschliche Nähe, Erfahrung und situative Kompetenz unverzichtbar bleiben. Wir müssen lernen, parallel zu arbeiten. Das ist der Schlüssel, um demografische Lücken intelligent zu schließen.
Wie können die Unternehmen sicherstellen, dass KI-Technologien ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt werden?
Indem Unternehmen die Kontrolle behalten und klare Leitplanken setzen. KI ist ein Werkzeug – sein verantwortungsvoller Einsatz hängt von den Menschen ab, die sie steuern. KI soll Fachkräfte unterstützen – nicht Schäden verursachen. Es gibt Bereiche, in denen ein Fehler nur einen zeitlichen oder wirtschaftlichen Faktor betrifft. Dort kann KI echten Mehrwert liefern. Aber es gibt auch Bereiche, in denen Fehlentscheidungen menschliches Leid erzeugen würden. Dort gehört KI nicht hin. Ethik entsteht durch Verantwortlichkeit – und diese Verantwortung tragen wir.
Unser Gesprächspartner: Przemyslaw Wesolka ist Geschäftsführer der JAP CONNECT GmbH, Podcaster und Speaker.
Beitragsbild: Jan Niklas Behrens