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Pleitewelle rollt durch Deutschland – Entwicklung übertrifft selbst die Krise von 2009

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf ein Niveau gestiegen, das selbst die Finanzkrise übertrifft. Laut einer aktuellen Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert – so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.

Damit liegen die aktuellen Werte nicht nur deutlich über den Vorjahren, sondern auch über den Zahlen aus dem Krisenjahr 2009. Der bisherige Höchststand stammt aus dem Jahr 2005, als in einem Quartal 4.771 Insolvenzen gezählt wurden.

Besonders auffällig ist die Dynamik im März 2026. In diesem Monat lag die Zahl der Firmenpleiten 71 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Monate der Jahre 2016 bis 2019 – also der Zeit vor der Corona-Pandemie. Der Anstieg kommt dabei vor allem aus einer wachsenden Zahl kleinerer Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten.

Branchenbezogen zeigen sich deutliche Schwerpunkte. Überdurchschnittlich betroffen sind das Baugewerbe, der Handel sowie unternehmensnahe Dienstleistungen. Regional stechen insbesondere Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hervor, wo besonders hohe Insolvenzzahlen registriert wurden.

Trotz der hohen Fallzahlen fällt ein Detail ins Auge: Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze steigt weniger stark als die Zahl der Insolvenzen. Das deutet darauf hin, dass aktuell vor allem kleinere Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, während große Firmen seltener betroffen sind.

Für die kommenden Monate sehen die Forscher keine schnelle Entspannung. Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen zeitlich vorauslaufen, sind zuletzt deutlich gestiegen. „Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite Quartal wenig Raum für Optimismus“, erklärte der Leiter der Insolvenzforschung am Institut.

Die Entwicklung setzt damit einen Trend fort, der sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet hatte. Schon 2025 wurden die höchsten Insolvenzzahlen seit zwei Jahrzehnten gemessen, was auf eine anhaltende strukturelle Belastung der Wirtschaft hindeutet.

Die aktuelle Analyse zeigt damit mehr als nur einen kurzfristigen Ausschlag. Sie verweist auf eine wirtschaftliche Phase, in der steigende Kosten, veränderte Marktbedingungen und auslaufende Sondereffekte zunehmend Unternehmen unter Druck setzen.

Die Insolvenzen sind damit nicht nur ein Konjunkturindikator – sondern auch ein Signal für einen tiefgreifenden Anpassungsprozess in der deutschen Wirtschaft.

SK

Bildbeitrag: IMAGO / Bihlmayerfotografie

 

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