Wer an industrielles Sägen denkt, dem kommen dabei vor allem Druckbalkensägen, Durchlaufsägen oder Portalsägen beziehungsweise das Laserschneideverfahren in den Sinn. Dass Materialien auch einfach mit der Kraft des Wassers durchsägt werden können, ist vielen noch immer nicht bekannt. Doch sogenannte Wasserstrahlschneidmaschinen, oft auch unter Bezeichnungen wie Wasserstrahlschneider, Wasserschneider oder Wassersäge im Umlauf, werden immer populärer und haben gegenüber anderen Verfahren zahlreiche Vorteile.
Bei dieser Art des industriellen Sägens wird ein Werkstück nicht mit einem Sägeblatt, sondern mittels eines Hochdruckwasserstrahls getrennt. Zum Schneiden wird dabei entweder gefiltertes Wasser oder zusätzlich dazu noch ein Abrasivmittel, wie beispielsweise Sand verwendet. Der Druck des Wasserstrahls kann bis zu 6.000 bar erreichen. Dadurch, dass dabei die Hitzeeinwirkung nur sehr gering ist, dehnt sich das Werkstück nicht aus.
Beim Reinwasserschneiden wird nur gefiltertes Wasser für die Schneidearbeiten verwendet. Der Wasserstrahl ist feiner als 0,1 Millimeter. Deshalb können Materialen äußerst präzise geschnitten werden. Dieses Verfahren kommt vor allem bei den folgenden Materialien zur Anwendung:
Für härtere Werkstoffe wie Stahl, Glas, Keramik, Titan, Gesteinen oder Aluminium kommt dagegen das Abrasiv-Verfahren zum Einsatz. Dem Wasser wird dabei ein Mittel (in den meisten Fällen Sand) beigemischt, um die Kraft des Strahls noch einmal zusätzlich zu verstärken.
Die Idee, Materialien mit Wasser zu trennen, ist jedoch keineswegs neu. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Technik dafür eingesetzt, um Kies- oder Tonablagerungen abzutragen.
Folgende unterschiedliche Typen stehen dabei zur Auswahl:
Die Anlagen kommen dabei nicht von der Stange, sondern werden entsprechend des jeweiligen Kundenwunsches aufgebaut. Dabei sind auch komplexe Bearbeitungen oder die Integration in Fertigungsstraßen möglich.
Wenn man sich die Anlagen ansieht, bemerkt man schnell, dass sie gegenüber anderen Schneideverfahren große Vorteile aufweisen. Grundsätzlich sind damit so gut wie alle Materialen schneidbar. Es werden nur Naturstoffe wie Wasser und Sand verwendet und beim Schneiden entwickeln sich keine gefährlichen Gase oder Dämpfe. Somit ist das Verfahren äußerst umweltfreundlich. Der Wasserstrahl ist wesentlich flexibler einsetzbar als ein Laser und auch dicke Werkstoffe lassen sich problemlos damit schneiden. Aufgrund der hohen Präzision ist keine Nachbearbeitung erforderlich und die Werkstücke verziehen und verfärben sich nicht während des Schneidens.
Bei allen Vorteilen soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es auch ein paar kleine Nachteile gibt. Dazu gehört, dass das Verfahren verhältnismäßig zeitaufwendig ist. Darüber hinaus muss das Schneidewasser gefiltert werden, um es verwenden zu können und die verwendeten Abrasivmittel müssen nach dem Schneidevorgang gesondert entsorgt werden.
Eine allgemeine Preisauskunft ist nicht so einfach möglich, da sich die Kosten grundsätzlich danach richten, welche Materialien in welcher Form und in welcher Stückzahl geschnitten werden sollen.
Grundsätzlich schneidet Wasserstrahlschneiden im Preisvergleich zu anderen Verfahren jedoch sehr gut ab, vor allem wenn die Folgekosten mit ins Kalkül gezogen werden. Durch die Einführung immer neuer Techniken wie beispielsweise der Suspensionstechnik steigt der Wirkungsgrad der Maschinen und es senken sich somit gleichzeitig die Betriebskosten.
Besonders kostengünstig erweist sich das Verfahren beim Schnitt von Stahl bis zu einer Dicke von 200 Millimetern und Aluminium bis zu 300 Millimetern sowie generell bei Materialien wie Kunststoffen, Glas, Granit, Stein oder Lebensmitteln.
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