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Tobias Epple: Ideale Führung ist »ein starkes ICH in einem starken WIR«

Einstellung

Tobias Epple: Ideale Führung ist »ein starkes ICH in einem starken WIR«

Herr Epple, Sie unterstützen als Berater und Coach Unternehmer bei der Entwicklung ihrer Führungsstrategien. Was hat Sie zu dieser Tätigkeit inspiriert und welche Ihrer bisherigen Erfahrungen befähigen Sie dazu, Führungskräfte zu beraten und zu coachen?
Ich habe meine ersten Schritte in die Welt von Führung und Vertrieb sehr früh begonnen. Mit bereits 26 Jahren wurde mir als jüngste Führungskraft im Unternehmen Führungsverantwortung übertragen. In dieser Rolle und in meinen verschiedenen Unternehmen habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen sammeln können. Durch Fleiß, fortlaufendes Lernen und auch Mut habe ich meine Unternehmen erfolgreich am Markt platziert. Dies führte dazu, dass Menschen auf mich zukamen und fragten: »Wie schaffst du es denn, dein Team immer weiter zu motivieren? Wie kannst du immer noch erfolgreicher werden? Woher hast du dein großes Netzwerk?«

In dem spannenden Mix der Finanz- und der Weiterbildungsbranche sind es vor allem eigene Erlebnisse und Erfahrungen, die ich transportieren kann und die mich die an mich gestellten Fragen beantworten lassen. Meine praktischen Erfahrungen habe ich mit dem Studium zum Betriebswirt (IHK) und einer Qualifizierung zum Vertriebsleiter (CEA) in den letzten Jahren mit verschiedenen Weiterbildungen im Management-Bereich und Coaching-Ausbildungen erfolgreich angereichert. Für mich gilt: Für die Praxis aus der Praxis!

Was zeichnet eine gute Führungskraft aus?
Für mich gibt eine gute Führungskraft alles, um den nächsten Schritt in Richtung Vision zu unternehmen und als gutes Beispiel voranzugehen. Eine gute Führungskraft lebt Werte wie Fairness, Integrität, Offenheit, Loyalität und Verantwortungsbewusstsein vor.

Eine exzellente Führungskraft hat zudem ihr Ego im Griff, stellt den Erfolg in den Vordergrund und ist in der Lage, im Moment des größten Erfolges das Team diesen genießen zu lassen.

Und welches Verhalten bringen Sie mit einem unangemessenen Führungsstil in Verbindung?
Hohe Ich-Zentriertheit, Probleme aussitzen, fehlender Blick für die Belange der Mitarbeiter, mangelnde Wertschätzung und Konflikte »Köchelnlassen« gehören für mich zum unangemessenen Verhalten einer Führungspersönlichkeit. Auch das Bestehen auf Hierarchie und Sonderregelungen »im Elfenbeinturm« ist für mich – und sicher für viele in meiner Generation – mehr als befremdlich.

Muss man nicht ein gewisses Ego haben, um es überhaupt an die Spitze zu schaffen? Und wie ließe sich ein entsprechender Aufstieg an die Spitze dann mit einem gesunden Führungsstil vereinbaren?
Ich glaube Ego ist dann ein wichtiger Baustein auf dem Weg an die Spitze, wenn es »Selbstbewusstsein« und »Reflexionsfähigkeit« ausdrückt. Unternehmen brauchen Führungskräfte, die in der Lage sind, mit Mut und Entschlossenheit Entscheidungen zu treffen, die Mitarbeiter in den Prozess einzubinden und so das Unternehmen in diesen volatilen und herausfordernden Zeiten erfolgreich in die Zukunft führen. Das heißt, ein starkes ICH in einem starken WIR.

Mit welchen Konsequenzen muss ein Unternehmen im schlimmsten Fall rechnen, wenn es in der Führungsetage an entsprechenden Qualitäten zur Teamleitung hapert?Ich erlebe in vielen Unternehmen, die ich berate, einen schleichenden Werteverfall, wenn die Führungskraft die Werte nicht (vor)lebt und die geforderten Qualitäten selbst nicht einbringt. Dies hat zur Konsequenz, dass Ziele nicht erreicht werden, eine schlechte Stimmung vorherrscht und gute Mitarbeiter auf kurz oder lang das Unternehmen verlassen.

Tobias Epple: Ideale Führung ist »ein starkes ICH in einem starken WIR«Haben Führungskräfte als solche überhaupt ein Interesse daran, sich in »Führung« weiterzubilden? Oder besteht an derartigen Qualifikationen nur ein Interesse, wenn man bestrebt ist, diese Position erst noch zu erreichen? Wie sind da Ihre Erfahrungen?
Es gibt ein sehr großes Interesse, sich in »Führung« weiterzubilden. Aber leider gibt es zu viele Führungskräfte, die an der eigenen Entwicklung nur arbeiten, bis sie es in die Geschäftsleitung geschafft haben. Dort kommt dann das wahre, oftmals egozentrische »ICH« wieder zum Vorschein und die Führungskräfte verlieren viele der Menschen um sie herum. Meine Kunden bestärke ich genau für den anderen Weg. Sie sind führende Unternehmer:innen und möchten keinen Stillstand, sondern sich weiterentwickeln, weil sie ein Ziel haben und dieses immer wieder neu definieren: »Ich will die bestmögliche Führungskraft für mein Team sein.« Wie ich finde, ist dies ein ganz wundervolles Ziel, welchem ich mich voll und ganz anschließen kann.

Gibt es die ideale Führungspersönlichkeit in der Realität? Haben Sie reale Vorbilder, was bestimmte Qualifikationen anbelangt?
Ja, eine ideale Führungspersönlichkeit zeichnet sich durch Selbstreflexion, Agilität und ständige Bereitschaft zur Anpassung aus. Ich bin überzeugt davon, für jedes Team, für jedes Unternehmen und für jede Situation gibt es die ideale Führungskraft. Für den Moment gibt es dann auch ganz sicher den idealen Führungsstil und die damit verbundenen Methoden und Kompetenzen. Die ideale Führungskraft ist nach meiner Ansicht auch wandelbar – nicht zu verwechseln mit wankelmütig –, das heißt, sie passt ihren Führungsstil an veränderte Rahmenbedingungen an und besteht nicht auf das Gestern und Vorgestern, jedoch ohne die eigene Führungs-DNA aufzugeben. Ideale Führungskräfte sind und bleiben berechenbar.

Wenn ich an Vorbilder denke, habe ich tatsächlich Bilder vor Augen. Entweder von Menschen, deren Verhalten ich entmutigend und abwertend finde oder von Führungspersönlichkeiten, die mich motivieren und inspirieren, noch besser zu werden. Meine Frau spricht heute noch – zehn Jahre nach ihrem Ausscheiden beim damaligen Arbeitgeber – von ihrem damaligen tollen Chef. Wenn meine Mitarbeiter:innen das in zehn Jahren auch von mir sagen, dann bin ich wahrlich eine gute Führungskraft. Das zu erreichen, ist mein Anspruch und mein Antrieb in Beratung, Coaching und in meinem Führungsalltag.

Bilder: Horst Dömötör

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