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»Cleaning Agent« oder Reinigungskraft: Anglizismen in Stellenanzeigen helfen nicht immer

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»Cleaning Agent« oder Reinigungskraft: Anglizismen in Stellenanzeigen helfen nicht immer

Immer mehr Unternehmen wollen sich global präsentieren und formulieren Stellenangebote auf Englisch.  Doch nicht alle übersetzten oder konstruierten Berufsbezeichnungen eignen sich dafür. Die Folge: Die Stellenagebote erreichen potenzielle Bewerber nicht. »Der Arbeitsmarkt wird immer globaler, nicht zuletzt durch die vorherrschende Arbeiterlosigkeit«, wird Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktfachmann beim internationalen Stellenportal Stepstone, in einem Bericht des Onlineportals des »Stern« zitiert. Daher könne es für Unternehmen sinnvoll sein, mit englischsprachigen Jobbezeichnungen zu arbeiten. Jedoch sollte man sehr genau schauen, ob die Übersetzung der Berufsbezeichnung auch stimmt.

Kryptische oder konstruierte Berufsbezeichnungen können den gegenteiligen Effekt haben, dass Adressaten sich gar nicht angesprochen fühlen. Ein Beispiel ist der Hausmeister, der jetzt »Facility Manager« genannt wird. Das Wort Manager suggeriert, dass es sich um eine Führungsposition handelt, obwohl das nicht zutrifft. Ein weiteres Beispiel: Ein Kölner Hotel sucht per Jobportal einen »Cleaning Agent« und meint eine Reinigungskraft.

»Eigenkompositionen bei Stellenausschreibungen zu verwenden, kann Chance und Risiko sein«, meint Monika Hackel, Abteilungsleiterin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Wenn es einen Mangel an qualifizierten Kräften gibt, können Unternehmen mit solchen Bezeichnungen auch Quereinsteiger aufmerksam machen. Aber wenn die Namen zu abstrus seien, würden passende Kandidaten die Ausschreibung gar nicht finden.

Umgekehrt können auch althergebrachte Bezeichnungen nicht ans Ziel führen. »Wenn Sie junge, digital affine Talente suchen und einen Sachbearbeiter ausschreiben, wird diese Anzeige kaum jemand lesen«, sagt Philipp Kolo, Fachmann für die Arbeitswelt bei der internationalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Es müsse eben alles zusammenpassen. Wenn man »Schöner Wohnen« hinschreibe, und am Ende sei es doch die alte Amtsstube, dann funktioniere das nicht. Global tätige Firmen versuchten, sich global anzupassen. Doch bei den Berufsbezeichnungen fehle es an Vergleichbarkeit.

Aktuelle Studien, wie die englischen Berufsbezeichnungen bei den Adressaten ankommen, gibt es nicht. Eine Studie des BIBB aus dem Jahr 2008 zeigte aber, dass Berufsanfänger vor allem Verständlichkeit wollen, Anglizismen gehörten nicht zu den Präferenzen.

MK

Bild: IMAGO / Westend61

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