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KI-Boom ohne Produktivitätsschub? Führungskräfte sehen kaum Effekte

Trotz des globalen KI-Booms berichten viele Unternehmen bislang von kaum messbaren Produktivitätsgewinnen. In einer internationalen Befragung von rund 6.000 Führungskräften aus mehreren Industrieländern gaben etwa zwei Drittel an, KI bereits einzusetzen — im Durchschnitt jedoch nur etwa 1,5 Stunden pro Woche. Rund ein Viertel nutzt die Technologie im Arbeitsalltag überhaupt nicht.

Besonders auffällig ist, dass fast 90 Prozent der Unternehmen in den vergangenen drei Jahren keinen signifikanten Einfluss von KI auf Produktivität oder Beschäftigung feststellen konnten. Damit steht die praktische Wirkung der Technologie bislang im starken Kontrast zu den hohen Erwartungen und Investitionssummen.

Ein möglicher Grund liegt in der begrenzten Integration in bestehende Prozesse. KI-Tools werden häufig ergänzend eingesetzt, ohne Arbeitsabläufe grundlegend zu verändern. Zudem erfordern viele Anwendungen zusätzliche Kontrolle, da Ergebnisse überprüft und korrigiert werden müssen. Fachkräfte investieren daher teilweise mehr Zeit in Qualitätssicherung, statt tatsächlich Zeit einzusparen.

Ökonomen sehen Parallelen zu früheren Technologiephasen. Bereits in den 1980er-Jahren stellte der Nobelpreisträger Robert Solow fest, dass Computer zwar überall sichtbar seien, sich jedoch nicht in Produktivitätsstatistiken niederschlügen — ein Phänomen, das als »Produktivitätsparadox« bekannt wurde.

Langfristig könnte sich die Situation dennoch ändern. Historisch führten große Investitionswellen in neue Technologien oft erst Jahre später zu messbaren Effizienzgewinnen, sobald Unternehmen ihre Organisationen angepasst hatten. Entscheidend ist daher weniger die Technologie selbst als ihre systematische Implementierung in Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse.

Für Investoren und Unternehmen bedeutet dies ein erhöhtes Risiko: Hohe Ausgaben für KI-Infrastruktur und Software könnten sich kurzfristig nicht auszahlen, während Wettbewerbsdruck und Erwartungen weiter steigen. Gleichzeitig bleibt die Technologie strategisch relevant, da ein späterer Durchbruch erhebliche Vorteile für früh adaptierende Unternehmen bringen könnte.

Insgesamt deutet die aktuelle Lage darauf hin, dass künstliche Intelligenz zwar das Potenzial zur Transformation besitzt, ihr wirtschaftlicher Nutzen jedoch stark davon abhängt, wie konsequent Unternehmen ihre Strukturen anpassen — und nicht allein von der Verfügbarkeit der Technologie.

SK

Beitragsbild: Depositphotos /Melpomene

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