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Software-Experte: Technische Umsetzung reicht nicht mehr!

Von Cloud-Systemen bis hin zu KI-gestützter Prozessautomatisierung: Digitale Technologien verändern die Arbeitswelt rasant. Kein Wunder also, dass die Software-Branche zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte zählt. Doch welche Innovationen bieten Unternehmen tatsächlich einen Mehrwert – und welche Fähigkeiten braucht es, um in der Branche erfolgreich zu sein? Das erläutert der Software-Entwickler und Unternehmer Ben Willer im Interview. Mit uns spricht er über die Chancen moderner Software-Lösungen sowie über die Frage, welche Rolle diese in Zukunft einnehmen werden.

6 Min.

12.06.2026

Herr Willer, der Software-Markt gehört zu den am schnellsten wachsenden Branchen in Deutschland. Ein Sektor mit Zukunft – oder ist der Markt bereits übersättigt?

Ich glaube nicht, dass der Software-Markt übersättigt ist. Im Gegenteil: Software wird in fast jeder Branche immer wichtiger. Unternehmen brauchen digitale Lösungen, um Prozesse zu automatisieren, Daten besser zu nutzen, Kunden effizienter zu betreuen oder neue Geschäftsmodelle aufzubauen.

Für mich ist die Software-Branche deshalb weiterhin ein Markt mit sehr viel Zukunft. Aber erfolgreich werden vor allem die, die Technologie mit Strategie, Kundenverständnis und unternehmerischem Denken verbinden.

Was sich aber verändert hat: Reine technische Umsetzung reicht heute nicht mehr aus. Gerade durch KI lassen sich einfache Tools, Dashboards oder Automatisierungen deutlich schneller bauen als früher. Dadurch steigt aber auch der Anspruch. Unternehmen suchen nicht nur jemanden, der Code schreibt, sondern jemanden, der versteht, welches Problem gelöst werden soll und welchen wirtschaftlichen Nutzen die Lösung am Ende bringen muss.

Talent, Wissen oder Erfahrung: Welche Fähigkeiten braucht es wirklich, um im Software-Business durchzustarten?

Talent kann helfen, aber entscheidend ist es meiner Meinung nach nicht. Viel wichtiger sind Ausdauer, Lernbereitschaft und echtes Interesse daran, Probleme zu lösen. Gerade in der Softwareentwicklung lernt man nie aus. Es gibt ständig neue Technologien, neue Wege und neue Möglichkeiten, Dinge besser oder effizienter umzusetzen.

Heute braucht es zusätzlich aber auch ein gutes Verständnis für Kunden, Märkte und Geschäftsmodelle. Wer Software nur technisch betrachtet, denkt zu kurz. Entscheidend ist nicht nur, ob etwas funktioniert, sondern ob es im Alltag genutzt wird, Zeit spart, Prozesse verbessert oder Umsatz bringt.

Bei mir war es von Anfang an vor allem Leidenschaft. Ich habe nicht angefangen, weil ich sofort ein Unternehmen aufbauen wollte, sondern weil mich Software wirklich interessiert hat. Ich wollte verstehen, wie digitale Lösungen funktionieren und wie man mit Code etwas erschaffen kann, das in der Praxis einen Unterschied macht.

Bereits mit 13 Jahren sind Sie selbst in die Software-Branche eingestiegen. Wie sahen Ihre ersten Schritte dabei konkret aus?

Meine ersten Schritte kamen tatsächlich aus dem Gaming-Bereich. Ich wollte damals in einem Videospiel eigene Addons bauen, um mir einen Vorteil zu verschaffen. Das war mein Einstieg ins Programmieren.

Ich habe mir vieles durch Learning by Doing beigebracht. Zusätzlich hatte ich das Glück, in einem Spiele-Forum einen Mentor kennenzulernen, der mir gerade am Anfang sehr geholfen hat. Ich habe viel ausprobiert, Fehler gemacht, Dinge neu gebaut und dadurch Schritt für Schritt verstanden, wie Software wirklich funktioniert.

Später kam dann mein erster bezahlter Auftrag. Dafür habe ich damals 20 Euro bekommen, obwohl ich mehrere Tage daran gearbeitet habe. Wirtschaftlich war das natürlich nicht sinnvoll, aber für mich war es ein wichtiger Moment. Ich habe gemerkt, dass Menschen bereit sind, für etwas zu bezahlen, das ich mit meinen Fähigkeiten erschaffen kann.

Der erste Moment, der mich wirklich gepackt hat, war mein erstes eigenes Addon, das funktioniert hat. Ich habe gesehen, dass das, was ich eintippe, plötzlich etwas im Spiel verändert. Aus ein paar Zeilen Code wurde eine echte Funktion. Das war für mich extrem faszinierend.

Auf welche Hürden sind Sie gestoßen und wie konnten Sie diese überwinden?

Eine der größten Hürden war am Anfang, ernst genommen zu werden. Gerade wenn man jung ist, muss man sich Vertrauen erst erarbeiten. Dazu kommt, dass Software oft individuell und erklärungsbedürftig ist. Man verkauft nicht einfach ein fertiges Produkt von der Stange, sondern häufig eine Lösung für ein konkretes Problem. Das muss man erst einmal richtig kommunizieren können.

Überwunden habe ich diese Hürden vor allem durch Praxis. Ich habe Projekte umgesetzt, Fehler gemacht, daraus gelernt und mich immer weiter verbessert. Gerade in der Softwareentwicklung wächst man stark an konkreten Problemen. Mit jedem Projekt versteht man besser, worauf es technisch, strategisch und im Umgang mit Kunden ankommt.

Ein großer Wendepunkt war mein erstes fünfstelliges Projekt, das zusätzlich mit einer Beteiligung verbunden war und weitere Umsätze gebracht hat. Da habe ich gemerkt, dass Software nicht nur technische Arbeit ist, sondern ein echter Hebel für wirtschaftlichen Erfolg sein kann.

Am Anfang war es für mich auch schwierig, gute Preise aufzurufen. Ich musste erst verstehen, welchen Wert meine Arbeit für Unternehmen wirklich haben kann. Es hat gedauert, bis ich gelernt habe, nicht nur über Aufwand zu sprechen, sondern über Nutzen, Ergebnis und wirtschaftlichen Mehrwert.

Mittlerweile sind Sie bereits seit mehreren Jahre im Business aktiv. Wie hat sich die Branche seit Ihren Anfängen verändert – und was meinen Sie, wird die Zukunft bringen?

Die Branche hat sich extrem verändert. Als ich angefangen habe, musste man sich viele Dinge noch mühsam selbst erarbeiten. Heute kann KI bei der Entwicklung enorm unterstützen und viele Prozesse deutlich beschleunigen. Software, für die man früher Wochen gebraucht hätte, kann heute teilweise in wenigen Tagen umgesetzt werden.

Funktionierender Code ist am Ende nur die Grundlage. Entscheidend bleibt, ob eine Lösung ein echtes Problem löst, sauber umgesetzt ist, sicher läuft und wirtschaftlichen Mehrwert schafft. KI ist stark für Umsetzung und Geschwindigkeit. Aber wer nicht weiß, was gebaut werden sollte, baut mit KI nur schneller am Markt vorbei.

Dazu kommt: Viele rein KI-generierte Lösungen ähneln sich mittlerweile stark. Man erkennt oft, wenn etwas nur schnell gebaut wurde, aber keine eigene Produktlogik, keine echte Innovation und keine durchdachte Nutzerführung dahintersteht. Genau deshalb werden Qualität, Erfahrung und strategisches Denken in Zukunft noch wichtiger.

Ich glaube, die Zukunft gehört nicht den Entwicklern, die einfach nur am schnellsten Code produzieren. Sie gehört denen, die Erfahrung, KI, Strategie und echtes Kundenverständnis miteinander verbinden. Genau dort entsteht der Unterschied zwischen einer technischen Spielerei und einem erfolgreichen Software-Produkt.

Ich sehe KI deshalb nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug. Wer sie sinnvoll einsetzt, kann schneller testen, effizienter entwickeln und Kunden deutlich zügiger Ergebnisse liefern.

Gleichzeitig darf man aber nicht glauben, dass KI automatisch ein erfolgreiches Software-Produkt baut.

                                                                                                                                                       (L)

Unser Gesprächspartner:

Ben Willer ist Gründer und Inhaber von Willer-Software.

Der Software-Experte hat sich auf die Entwicklung von SaaS-Lösungen spezialisiert. 

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