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Wiederbelebung in fünf Schritten

Erfolg

Wiederbelebung in fünf Schritten

Als CEO des Fintechs NAGA hat Ben Bilski eine Erfolgsgeschichte geschrieben, an die er von Anfang an geglaubt hat.

Benjamin Bilskis Fintech NAGA war 2018/19 fast schon klinisch tot. Alle Zeichen sprachen dafür. Es fehlte nur noch der Totenschein. Einzig er selbst glaubte nicht an das Ableben, obwohl er mit am besten wusste, dass es nicht gut um den Patienten stand. Was folgte, ist zwar kein medizinisches, aber dafür ein unternehmerisches Wunder – für das der Firmenchef wiederum ganz normale Erklärungen parat hat. NAGAs Turnaround in fünf Schritten.

Schonungslose Analyse

»Ich habe eine Ruine übernommen. Für mich persönlich war es die brutalste Zeit meines Lebens«, fasst Bilski die hochemotionale Ausgangssituation zum Jahreswechsel 2018/ 2019 zusammen. Heute ist er CEO der digitalen Trading-Plattform The NAGA Group AG. Damals, kurz vorm scheinbaren Ende, war er einer von drei Vorständen – der trotz der massiven Probleme fest an das Produkt und die Firma glaubte: »Ich wusste, wir sind einzigartig.« Auch für den neutralen Marktbeobachter war NAGA einzigartig, allerdings aus eher kritischer Perspektive – und hier setzt Bilskis erster Schritt der Sanierung an: »Schonungslose Analyse der Situation«. Nach dem Börsengang war der Aktienpreis abgestürzt und nur noch 50 Cents wert. Jeden Monat verbrannte das Unternehmen 1,5 Millionen Euro. Der chinesische Hauptinvestor Fosun hatte kaum Vertrauen mehr. Daran schloss sich die Frage an, was das Unternehmen so kurz vor den Abgrund geführt hatte? Mitverantwortlich dafür war der Wildwuchs an Produkten und Plattformen. Sie waren zwar alle technologisch hochwertig, liefen aber auf verschiedenen Plattformen. Dabei war Bilski als Produktvorstand bereits lange mit an Bord. Doch überraschte ihn die Art und Weise, wie unklar das Geschäftsmodell mittlerweile geworden war. Die Monetarisierung von NAGA war so vorne und hinten nicht aufgegangen. Schlimmer noch: »Unsere Vertriebsteams – welche wir durch eine Fusion übernommen hatten – vermarkteten eine ganz andere Industrieplattform, nicht einmal NAGA.« Die Firma investierte also in eine fremde Technologie, die obendrein kein Geld brachte. Stattdessen wollte Bilski die Handelsplattform »als soziales Netzwerk pushen«. Hierfür war mehr digitales Marketing nötig. Anfang 2019 fiel dann die Entscheidung: Bilski übernahm den CEO-Posten.

Entschieden durchgreifen

Das Wichtigste war, die Kosten drastisch zu senken, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben. Alles kam auf den Prüfstand und so erinnern heute fast nur der Name und das Social Trading an früher. 65 Mitarbeitende mussten gehen – an einem Tag. Gleichzeitig musste Hauptinvestor Fosun überzeugt werden, dass das Konzept grundsätzlich funktionierte – während täglich Geld verbrannt wurde. Zu allem Unglück warf ein Ex-Vorstandsmitglied rund
1 Million Aktien auf den Markt, was den Kurs vollends ruinierte. Damals war NAGA nur noch 20 Millionen Euro wert. Mitten in der Neusortierung war Bilski daher gezwungen, besonders harte Maßnahmen einzuleiten: 130 von 200 Mitarbeitende musste er leider verabschieden. Gleich drei Standorte in Spanien wurden geschlossen, zudem der Hauptsitz in Hamburg mit Blick auf die Elb-philharmonie.

Hier geht es zum brandneuen founders Magazin Nr. 27 -> LINKBild: The NAGA Group AG

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