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Wie die Blockchain-Technologie Sachwerte zerlegt

Transparenz und Sicherheit sind beim Handel von Technologie- und Edelmetallen gefragt. Mit der Finomet-Blockchain will Andreas Kroll einen Standard einläuten, der genau das bietet. In unserem Interview erklärt er, warum ihm dieses Logistik-Konzept so wichtig ist.

Herr Kroll, mit einer speziellen Blockchain- und Tracking-Technologie machen Sie den Handel mit tokenisierten Sachwerten für Händler und Käufer transparent. Was war Ihre Motivation, sich diesem speziellen Thema zu widmen?

Meine Motivation ist es, für Transparenz und Sicherheit im Handel mit Technologiemetallen, Edelmetallen sowie Seltenen Erden zu sorgen. Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich mit unterschiedlichen Anlageformen und insbesondere mit Investments in physische Güter. Daher weiß ich, dass es in der Vergangenheit leider immer wieder einige schwarze Schafe in unserer Branche gab. Ein Beispiel dafür ist der Fall »Pim Gold«. Im Jahr 2019 sind 10.000 Anleger leer ausgegangen, nachdem über drei Tonnen Gold mit einem damaligen Wert von 150 Millionen Euro plötzlich einfach verschwunden sind. Ich habe mich gefragt: Wie kann so etwas passieren?

Mit unserem Konzept will ich allen am Handel Beteiligten die Kontrolle zurückgeben. Die Blockchain bietet sich hierzu als das ideale Instrument an. Indem wir den kompletten Metallhandel vom Einkauf über die Lagerung bis hin zum Verkauf mit modernster Technologie dokumentieren, schaffen wir einen neuen Sicherheitsstandard. Erstmals kommunizieren Händler, Endkunden und Lager durch unsere Plattform miteinander. Das hat es in der Branche bisher noch nicht gegeben. Die Möglichkeiten der Blockchain-Dokumentation enden aber nicht beim Handel und der Einlagerung von Rohstoffen, sondern sorgen zukünftig auch für Transparenz bezüglich ihrer Herkunft. Das macht uns fit für das neue Lieferkettengesetz, dessen Vorgaben wir erfüllen müssen.

Bei tokenisierten Technologie-Rohstoffen geht es oft um sehr geringe Gewichtseinheiten. Wird die Logistik für Händler und Käufer damit nicht sehr unübersichtlich?

Von außen betrachtet scheint das alles sehr kleinteilig und unübersichtlich zu sein. Die Tokenisierung von Metallen über eine Blockchain stellt aber keine komplizierten Aufgaben an die Logistik. Jedes Gramm Rohstoff wird automatisch genau einem Kunden zugewiesen, auch wenn es Teil eines größeren Gebindes ist, und der sieht vom Zeitpunkt seiner Bestellung an, wie viel Metall ihm zusteht. Sobald Ware im Lager ankommt und ihm zugewiesen wird, bekommt er pro Gramm einen Token in seiner Wallet, einer elektronischen Geldbörse, gutgeschrieben. Dieser Vorgang nennt sich »minten«. Sobald die Ware das Lager verlässt, zum Beispiel durch einen Verkauf, werden die Token gelöscht. Hier spricht man von »burnen«. Die Nutzung der Blockchain-Technologie für diese Aufgabe ermöglicht einen permanenten Soll-ist-Abgleich der sich im Lager befindlichen Ware mit der Bestellmenge. Diese Transparenz und den damit einhergehenden Sicherheitsstandard hat es bislang in diesem Bereich noch nicht gegeben.

Welches Sicherheitsrisiko birgt diese Art der Datenspeicherung?

Die Blockchain-Technologie bietet bislang den weltweit höchsten Sicherheitsstandard in Bezug auf die Speicherung von Daten. Technisch gibt es heute keinen höheren Sicherheitsstandard als die für unsere Plattform zum Einsatz gebrachte Sicherheitsarchitektur. Eine missbräuchliche Manipulation der auf einer öffentlichen Blockchain gespeicherten Daten, etwa um die Eigentumsverhältnisse bei eingelagerten Metallen zu verändern, ist praktisch noch nicht vorgekommen. Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbank mit unzähligen parallel laufenden Servern. Eine Manipulation an einer Stelle dieses Netzwerkes würde an allen anderen Rechnern der Datenbank sofort auffallen. Ein Missbrauch würde also gleich ersichtlich werden. Die Daten sind zudem verschlüsselt und können nur im Netz der Finomet verwendet werden. Ein potenzieller Betrüger hätte also nichts von ihrem Besitz.

Die Blockchain-Technologie gilt als sehr energieintensiv. Sie starten Ihr Unternehmen aktuell in einer Strompreis-Hochphase. Wie kompensieren Sie das?

Derzeit haben die steigenden Energie- und Strompreise keine nennenswerten Auswirkungen auf den Betrieb unserer Plattform. Ein Grund dafür sind die auf der Gnosis-Blockchain verwendeten Utility-Token. Diese haben einen nur sehr geringen Bedarf an Rechenkapazität und benötigen daher auch nur sehr wenig Strom. Ein weiterer Grund für die unbeeinträchtigte Leistung ist die Gnosis-Blockchain selbst. Denn mit ihr haben wir uns für einen sehr umweltfreundlichen Anbieter entschieden, der im Gegensatz zu den meisten Blockchain-Systemen äußerst energieeffizient arbeitet. Trotzdem ist sie natürlich nicht ganz von den Folgen der allgegenwärtigen Preisentwicklung befreit und hier ist wie bei allen anderen Aktivitäten auch ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen gefragt.

Blockchain, Tracking und Token sind häufig noch erklärungsbedürftig. Wie reagieren die Anleger bislang auf Ihr progressives Logistikkonzept?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt stark vom Hintergrundwissen ab. Wer sich nicht zu den »Digital Natives« zählt, tut sich manchmal schwer mit Begriffen wie dem der dezentralen Datenbank. Ich erkläre die Funktionsweise einer Blockchain übrigens gerne am Beispiel eines Telefonbuchs. Das Telefonbuch ist eine dezentrale Datenbank, die jeder kennt: Wenn man eine Telefonnummer aus einem der Bücher löscht, ist sie in den anderen Exemplaren noch zu finden. Die Löschung einer Nummer in nur einem oder auch mehreren Telefonbüchern hat keinerlei Auswirkungen auf die Telefonnummer an sich. Sie ist nach wie vor in den unzähligen anderen Telefonbüchern ersichtlich. Ein besseres Beispiel einer dezentralen Speicherung gibt es nicht.

Doch auch wer die Funktionsweise der Blockchain-Technologie durchschaut, hat manchmal Einwände. Grund ist oft die fälschliche Gleichsetzung von Blockchain-Technologie mit Kryptowährungen, die ja in der Vergangenheit bekanntlich nicht so gut performt haben. Letztlich haben wir jetzt aber schon auf so vielen Messen und Veranstaltungen mit Marktteilnehmern gesprochen, dass sich eine klare Einigung bezüglich dieser Technologie ablesen lässt: Die Absicherung aller Finanz- und Handelsgeschäfte auf blockchainbasierten Lösungen wird in naher Zukunft den Goldstandard darstellen, dem sich kein Marktbeteiligter mehr entziehen kann.

MK


Andreas Kroll ist Experte für Sachwertanlagen
und Geschäftsführer des Start-ups Finomet GmbH


 

Beitragsbild: Finomet

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