Unternehmen

Jeder Dritte ist wechselbereit – was Arbeitgeber jetzt falsch machen können

Der XING Jobwechsel-Atlas zeigt: Sicherheit allein bindet Beschäftigte nicht – Führung, Gehalt und Perspektiven entscheiden mit.

3 Min.

11.08.2026

Deutschlands Beschäftigte suchen Sicherheit – halten sich aber dennoch berufliche Optionen offen. Der neue XING Jobwechsel-Atlas zeigt dabei erhebliche regionale Unterschiede und liefert Unternehmen Hinweise darauf, wo Mitarbeiterbindung besonders schwierig wird.

34 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland planen 2026 einen Arbeitgeberwechsel oder sind grundsätzlich offen dafür. Hinter diesem Durchschnitt verbirgt sich jedoch eine erhebliche regionale Spannweite: In Hamburg liegt die Wechselbereitschaft bei 44 Prozent, in Berlin und Brandenburg bei jeweils 42 Prozent. Am anderen Ende stehen das Saarland mit 25 Prozent, Bayern mit 26 Prozent und Bremen mit 27 Prozent.

Grundlage des Jobwechsel-Atlas ist eine forsa-Befragung im Auftrag von XING unter 3.418 Beschäftigten zwischen dem 15. Dezember 2025 und dem 7. Januar 2026. Pro Bundesland wurden rund 200 Interviews geführt und anschließend proportional gewichtet. Bei den Länderwerten liegt die statistische Fehlertoleranz allerdings bei bis zu sieben Prozentpunkten – kleinere Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern sollten daher nicht überinterpretiert werden.

Sicherheit wird zur Grundvoraussetzung

Bemerkenswert ist ein scheinbarer Widerspruch: 70 Prozent der Befragten nennen einen langfristig sicheren Arbeitsplatz als wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers. Gleichzeitig ist mehr als jeder Dritte grundsätzlich wechselbereit. Sicherheit verhindert einen Wechsel damit offenbar nicht automatisch.

Dazu passt, dass die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust vergleichsweise gering ist. Nur acht Prozent der Beschäftigten machen sich große oder sehr große Sorgen, 2026 gekündigt zu werden. Zugleich halten 63 Prozent es für sicher oder wahrscheinlich, innerhalb von sechs Monaten eine neue Stelle finden zu können. Wechselbereitschaft entsteht damit nicht allein aus Unsicherheit, sondern auch aus dem Vertrauen darauf, am Arbeitsmarkt attraktive Alternativen zu haben.

Gerade für Unternehmen ist diese Kombination entscheidend. Wer Beschäftigte lediglich mit Stabilität halten will, dürfte zunehmend an Grenzen stoßen. Als Kriterien für einen neuen Arbeitgeber folgen auf die Jobsicherheit ein höheres Gehalt mit 63 Prozent, gutes Führungsverhalten mit 62 Prozent, flexible Arbeitszeiten mit 58 Prozent und eine sinnerfüllende Tätigkeit mit 57 Prozent.

Demotivation als Warnsignal

Besonders deutlich wird die Wechselgefahr beim Blick auf die Motivation. Bundesweit sind 36 Prozent der Beschäftigten mindestens einmal pro Woche demotiviert oder haben keine Lust auf ihre Arbeit. Unter den wechselbereiten Beschäftigten geben sogar 47 Prozent an, täglich oder mehrmals wöchentlich lustlos zu sein. Bei denjenigen ohne Wechselabsicht sind es lediglich zwölf Prozent.

Auch regional zeigt sich ein Zusammenhang. Hamburg verbindet die bundesweit höchste Wechselbereitschaft von 44 Prozent mit einem Jobfrust-Level von 43 Prozent. In Berlin liegen beide Werte bei 42 beziehungsweise 41 Prozent. Bayern und das Saarland weisen dagegen sowohl eine niedrigere Wechselbereitschaft als auch mit jeweils 30 Prozent einen geringeren Anteil regelmäßig demotivierter Beschäftigter auf.

Für Arbeitgeber entsteht daraus eine klare Herausforderung: Recruiting und Mitarbeiterbindung lassen sich kaum noch mit einer bundesweit identischen Strategie betreiben. Während in Regionen mit hoher Arbeitsmarktzuversicht attraktive Alternativen und schnelle Bewerbungsprozesse entscheidend sein können, dürften andernorts Führung, Entwicklungsmöglichkeiten und die konkrete Arbeitszufriedenheit stärker über Bleiben oder Gehen entscheiden. XING fasst den deutschen Arbeitsmarkt deshalb als »Sicherheitsmarkt mit Mobilitätsoption« zusammen.

Der Jobwechsel-Atlas zeigt damit vor allem eines: Beschäftigte wollen Stabilität, aber nicht um jeden Preis. Für Unternehmen reicht es zunehmend nicht mehr, einen sicheren Arbeitsplatz anzubieten. Wer Fachkräfte langfristig halten will, muss ihnen zusätzlich Perspektiven, gute Führung und einen Arbeitsalltag bieten, aus dem sie nicht innerlich längst ausgestiegen sind.

Stefanie S. Klief

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