Der US-Elektroautobauer Tesla hat den Krankenstand in seiner deutschen Gigafactory in Grünheide deutlich gesenkt – und sorgt gleichzeitig mit seinem Umgang mit Krankmeldungen für Kritik. Nach Angaben des Managements liegt der Krankenstand inzwischen bei unter 5 Prozent, nachdem er zwischenzeitlich auf rund 17 Prozent gestiegen war.
Der Rückgang ist bemerkenswert, weil hohe Fehlzeiten zuvor als strukturelles Problem galten. Die Werksleitung hatte bereits 2023 intern scharf reagiert und Maßnahmen ergriffen, um den Krankenstand zu reduzieren. Dazu gehörten unter anderem unangekündigte Besuche bei krankgemeldeten Mitarbeitern sowie eine strengere Prüfung von Krankmeldungen.
Parallel dazu steht der Konzern erneut wegen seiner Lohnpraxis in der Kritik. Berichten zufolge zweifelt Tesla in bestimmten Fällen ärztliche Atteste an und behält Lohnzahlungen ein, wenn Zweifel an der Krankmeldung bestehen. Gewerkschaften wie die IG Metall sehen darin einen möglichen Verstoß gegen Arbeitnehmerrechte und sprechen von erheblichem Druck auf Beschäftigte.
Der Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen ist zentral: Der deutlich gesunkene Krankenstand fällt zeitlich mit der Verschärfung interner Kontrollen zusammen. Kritiker argumentieren daher, dass der Rückgang nicht allein auf bessere Arbeitsbedingungen oder höhere Motivation zurückzuführen sei, sondern auch auf verändertes Verhalten der Beschäftigten unter erhöhtem Druck.
Tesla selbst weist Vorwürfe einer systematischen Praxis zurück und betont, es handele sich nur um Einzelfälle, in denen Krankmeldungen überprüft würden. Gleichzeitig unterstreicht das Unternehmen, dass ein niedriger Krankenstand ein wichtiger Faktor für die Produktionsstabilität sei.
Der Fall zeigt ein grundlegendes Spannungsfeld in der Industrie: Unternehmen stehen unter wachsendem Effizienzdruck, während gleichzeitig arbeitsrechtliche Standards und soziale Absicherung gewahrt bleiben müssen. In Grünheide wird diese Balance aktuell besonders sichtbar – zwischen Produktivität, Kontrolle und Arbeitnehmerrechten.
SK