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Deutschland nur auf Platz 11 im KI-Ranking

Deutschland hat KI-Ideen – aber zu wenig KI-Köpfe

7 Min.

03.08.2026

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz wächst in deutschen Unternehmen schneller als das Angebot an qualifizierten Fachkräften. Eine internationale Auswertung von teamed.global sieht Deutschland zwar als starken Innovationsstandort, aber nur auf Platz 11 der weltweit attraktivsten KI-Ökosysteme. Für Gründer wird damit nicht allein die Technologie, sondern der Zugang zu den Menschen dahinter zur entscheidenden Wachstumsfrage.

Künstliche Intelligenz ist in deutschen Unternehmen längst kein Randthema mehr. Im Mai 2026 nutzten nach einer Umfrage des ifo Instituts bereits 54,5 Prozent der Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen. Ein Jahr zuvor waren es noch 40,9 Prozent. Weitere 16 Prozent planen den Einsatz, 21,6 Prozent diskutieren ihn zumindest.

Der Bedarf an Menschen, die solche Systeme entwickeln, integrieren und zuverlässig betreiben können, wächst entsprechend schnell. Eine neue internationale Auswertung des Anbieters Teamed sieht Deutschland dennoch nur auf dem geteilten 11. Platz der weltweit stärksten Standorte für KI-Fachkräfte.

Die Bundesrepublik erreicht 8,06 von 10 möglichen Punkten und liegt damit gleichauf mit Finnland. Vor Deutschland landen unter anderem die Vereinigten Staaten, Indien, Kanada, Großbritannien, Israel, Singapur, Schweden und Frankreich.

Die Rangliste misst mehr als verfügbare Fachkräfte

Das Ergebnis bedeutet nicht, dass in 10 Ländern grundsätzlich besser ausgebildete KI-Entwickler arbeiten.

Teamed kombiniert mehrere sehr unterschiedliche Faktoren zu einem Gesamtwert: Investitionen in KI-Start-ups und generative KI, Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, Anteil der KI-Stellenanzeigen, Konzentration der Fachkräfte, Patente sowie Forschungs- und Open-Source-Leistungen.

Die Rangliste bewertet damit eher die Stärke eines gesamten KI-Ökosystems als die bloße Zahl verfügbarer Bewerber.

Ein Land kann gut abschneiden, weil es viel Kapital anzieht, besonders viele Spezialisten beschäftigt oder eine hohe Einstellungsdynamik besitzt. Umgekehrt kann ein technologisch starkes Land zurückfallen, wenn Gründungen wenig Kapital erhalten oder Forschungsergebnisse seltener offen weiterentwickelt werden.

Deutschland ist stark bei Patenten

Bei der technischen Verwertung von Forschung steht Deutschland vergleichsweise gut da. Für 2024 weist die Auswertung 628 KI-Patente aus. Das sind deutlich mehr als in Großbritannien mit 406 oder Frankreich mit 280.

Die Zahl spricht für eine starke industrielle Forschungslandschaft. Deutsche Unternehmen entwickeln KI nicht nur für Sprachmodelle oder digitale Dienstleistungen, sondern auch für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Produktion, Qualitätskontrolle und Wartung.

Gerade diese Verbindung von Software und Industrie könnte zu einem wichtigen Standortvorteil werden.

Das Patent allein schafft jedoch noch kein wachsendes Unternehmen. Aus einer geschützten Erfindung müssen ein marktfähiges Produkt, ein belastbares Geschäftsmodell und eine Organisation entstehen, die international skalieren kann.

Beim Kapital wird der Abstand gewaltig

In den Vereinigten Staaten flossen der Auswertung zufolge 2025 rund 180,3 Milliarden US-Dollar in KI-Start-ups. In Deutschland waren es knapp 4,2 Milliarden US-Dollar.

Das amerikanische Investitionsvolumen war damit etwa 43-mal so hoch.

Großbritannien zog mit rund 15,2 Milliarden US-Dollar mehr als dreimal so viel KI-Start-up-Kapital an wie Deutschland. Auch bei generativer KI fällt die Lücke auf: Während in Deutschland lediglich rund 49,5 Millionen US-Dollar erfasst wurden, waren es in Frankreich knapp 1,94 Milliarden US-Dollar.

Solche Zahlen hängen von Definitionen, betrachteten Finanzierungsrunden und der Zuordnung einzelner Unternehmen ab. Die Größenordnung zeigt dennoch, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sind.

Ein Start-up mit wenig Kapital kann eine gute Idee entwickeln. Beim Training eigener Modelle, beim Aufbau von Recheninfrastruktur und im internationalen Wettbewerb um erfahrene Fachkräfte wird die Finanzierung jedoch schnell zum begrenzenden Faktor.

Indien und Kanada gewinnen nicht allein durch Geld

Die Vereinigten Staaten führen die Rangliste mit 9,18 Punkten an. Dahinter folgen Indien mit 9,03 und Kanada mit 8,89 Punkten.

Indien erhielt mit rund 2,6 Milliarden US-Dollar sogar weniger KI-Start-up-Investitionen als Deutschland. Das Land profitiert jedoch von einer großen technischen Erwerbsbevölkerung, einer hohen Nachfrage nach KI-Fachkräften und einem besonders hohen Anteil entsprechender Stellenanzeigen.

Kanada zieht ebenfalls weniger KI-Kapital an als Deutschland. Eine hohe Konzentration spezialisierter Fachkräfte und der Wechsel vieler Softwareentwickler in KI-Berufe bringen das Land dennoch auf Platz 3.

Damit wird sichtbar: Kapital allein baut kein KI-Ökosystem. Entscheidend ist auch, ob ausreichend Menschen vorhanden sind, die aus Investitionen funktionierende Produkte machen können.

Bis zu 70 Prozent könnten fehlen

Wie groß die deutsche Lücke werden könnte, zeigt eine frühere Prognose von Bain & Company.

Die Beratung rechnet für 2027 mit 190.000 bis 219.000 offenen KI-Stellen in Deutschland. Dem könnten lediglich rund 62.000 entsprechend qualifizierte Fachkräfte gegenüberstehen. Unter diesen Annahmen blieben ungefähr 70 Prozent des Bedarfs ungedeckt.

Das ist eine Prognose, keine feststehende Entwicklung. Sie hängt unter anderem davon ab, wie Unternehmen KI-Stellen definieren, wie schnell Beschäftigte weitergebildet werden und welche Aufgaben künftig durch standardisierte Anwendungen erledigt werden können.

Dennoch beschreibt sie ein reales Problem: Die Verbreitung von KI kann wesentlich schneller wachsen als die Zahl jener Menschen, die komplexe Systeme entwickeln, bewerten und in bestehende Prozesse integrieren können.

Gründer konkurrieren nicht nur mit anderen Start-ups

Für junge Unternehmen ist dieser Engpass besonders schwierig.

Sie konkurrieren bei Data Scientists, Machine-Learning-Entwicklern, KI-Produktmanagern und Spezialisten für Infrastruktur nicht nur mit anderen Gründern. Auch Konzerne, Beratungen, Banken, Industrieunternehmen und öffentliche Einrichtungen bauen eigene Teams auf.

Große Arbeitgeber können häufig höhere Gehälter, größere Rechenbudgets und mehr Sicherheit anbieten. Start-ups müssen dagegen mit Beteiligungen, Gestaltungsfreiheit, technischer Verantwortung und einer überzeugenden Mission punkten.

Gleichzeitig besteht das benötigte Team selten nur aus einigen hoch spezialisierten KI-Forschern. Gefragt sind ebenso Dateningenieure, Softwareentwickler, Produktexperten, Datenschutzfachleute und Menschen, die ein Modell in einen wirtschaftlich sinnvollen Prozess übersetzen können.

Internationale Rekrutierung wird zur Wachstumsstrategie

Wenn der heimische Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte bietet, liegt der Blick ins Ausland nahe.

Acht der 15 bestplatzierten Länder der Teamed-Auswertung liegen in Europa. Neben Großbritannien und Frankreich gehören dazu Schweden, Deutschland, Finnland, die Schweiz, Irland und die Niederlande. Internationale Rekrutierung muss damit nicht automatisch bedeuten, Teams über sämtliche Zeitzonen der Welt zu verteilen.

Sie ist jedoch komplizierter als das Unterzeichnen eines Arbeitsvertrags.

Arbeitsrecht, Lohnabrechnung, Steuern, Sozialversicherung, Kündigungsfristen und Zusatzleistungen unterscheiden sich von Land zu Land. Hinzu kommen Fragen zu geistigem Eigentum, Datenschutz, Führung und der Einbindung verteilter Beschäftigter.

Genau an dieser Stelle setzt teamed.global an. Das Unternehmen bietet sogenannte Employer-of-Record-Dienstleistungen an und übernimmt für international einstellende Unternehmen unter anderem lokale Beschäftigungs- und Abrechnungsstrukturen. Die Schlussfolgerung, stärker grenzüberschreitend zu rekrutieren, passt damit auch zum eigenen Geschäftsmodell des Anbieters.

Das macht die ausgewerteten Daten nicht wertlos. Die Rangliste sollte aber als Unternehmensanalyse und nicht als amtliche Arbeitsmarktstatistik gelesen werden.

Internationale Einstellung ersetzt keine eigene Talententwicklung

Der globale Arbeitsmarkt kann den Engpass entschärfen, aber nicht vollständig lösen.

Auch Indien, Kanada oder die Vereinigten Staaten erleben eine stark wachsende Nachfrage. Unternehmen aus aller Welt greifen damit zunehmend auf dieselben Fachkräfte zu. Wer international sucht, gewinnt zwar Zugang zu einem größeren Pool, trifft dort aber ebenfalls auf steigende Gehälter und intensive Konkurrenz.

Für Gründer gehört deshalb neben der Rekrutierung auch die Weiterbildung des bestehenden Teams zur Strategie.

Nicht jede KI-Aufgabe benötigt einen promovierten Spezialisten. Viele Anwendungen können von erfahrenen Softwareentwicklern, Datenanalysten oder Fachexperten übernommen werden, wenn sie gezielt weitergebildet und durch geeignete Werkzeuge unterstützt werden.

Der entscheidende Vorteil könnte künftig weniger darin liegen, die meisten KI-Forscher einzustellen. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die technisches Wissen, Branchenverständnis und Produktentwicklung besonders gut verbinden.

SK

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