Mein Credo ist es, nur von Menschen zu lernen, die bereits das erreicht haben, was Du noch erreichen möchtest. Von wem sonst solltest Du also Führungsstärke lernen, wenn nicht vom ehemaligen Führer der freien Welt und einem der mächtigsten Staaten der Welt?
Obama wird in Köln von seiner Schwester Auma Obama auf Deutsch angekündigt. Als er danach die Bühne betritt, erklärt er, dass er hinter der Bühne keinen Übersetzer hatte und somit nicht weiß, was seine Schwester zuvor über ihn erzählt habe. Er warnt die Zuschauer aber, ihr nicht zu glauben, da große Schwestern dazu neigten, ihre kleinen Brüder zu sehr zu loben. Damit hat er seine Schwester erhöht und bereits nach 60 Sekunden die Lacher und die Sympathien seiner Zuhörer gewonnen.
Als Präsidentschaftskandidat nutzte Obama als einer der Ersten die Möglichkeiten von Social Media und Online-Medien. Das war neben Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit seine größte Stärke. Er bedauert aber noch heute, dass er diesen Trumpf in genau jener Sekunde verspielt hatte, als er das Oval Office bezog. Ab dem Tag seiner Vereidigung dachte er nämlich, dass er von nun präsidial wirken und nur noch per Journalisten-Briefing und Pressekonferenz kommunizieren sollte. Er nahm Abstand von der direkten Kommunikation per Social Media. In der Folge verlor er zwei Jahre lang den Kontakt zu seinen Wählern.
Erst ab dem dritten Jahr änderte er seinen Kurs und trat von nun an – zu seiner eigenen Überraschung – auch auf Youtube- Channels auf, in denen es sonst nur um Make-up und Eyeliner geht. Er tat dies, weil solche Channels zum Teil über zehn Millionen Abonnenten verfügen – in genau der jungen Zielgruppe, die Obama punktgenau erreichen will.
In der ersten Woche seiner Präsidentschaft beglückwünschte einer der führenden Generäle der US-Streitkräfte Obama in einem Meeting zu seiner neuen Rolle als Arbeitgeber von rund zwei Millionen Armee-Angehörigen. Er machte ihm dabei klar, dass diese auch nur Menschen seien und deshalb Fehler passieren werden: jeden Tag und in jeder nur erdenklichen Intensität.
Obamas Learning daraus ist Folgendes: Du und Dein Team werden fast täglich Fehler machen. Dagegen kannst Du als Führungskraft nichts ausrichten. Du kannst aber jeden Tag entscheiden, wie Du mit diesen Fehlern umgehen wirst. Ob Du daraus lernen oder sie unter den Teppich kehren wirst. Dieser Umgang entscheidet, ob Du als Leitwolf oder als Feigling in Erinnerung bleiben wirst.
Mein eigenes Learning aus dieser Anekdote: Strebe nicht nach Perfektion beziehungsweise nach dem Motto „Besser schlecht gestartet, als gut gewartet“. Leg los, werde aktiv und gehe Deinem Team mit gutem Beispiel voran. Wenn der Fehler dann unweigerlich passiert, sprich ihn an, ziehe Lehren daraus und teile diese wertvollen Lehren mit jedem in Deinem Team.
Wenn eine Entscheidung auf dem Schreibtisch des Oval Offices gelandet ist, dann nur weil niemand anderes im Verwaltungsapparat der USA sie entscheiden wollte. Ergo waren diese Entscheidungen schwierig, unangenehm und konnten eine Karriere kosten.
Aber einer muss sie nun mal treffen und dies bleibt in der Regel bei der Führung eines Staates beziehungsweise einer Organisation hängen. In diesem Fall Präsident Obama. Dieser hatte die besten Berater des Landes an seiner Seite – die sich aber regelmäßig gegenseitig widersprachen. Häufig war dann die beste Entscheidungsgrundlage eine 51 zu 49 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass die Entscheidung eine Verbesserung der Lage herbeiführen kann. Mit diesem geringen Vorsprung musste Obama dann die drängende Entscheidung treffen und auf den besten Ausgang der Situation hoffen.
Obama zeigte den „war of stories“ auf: Entweder Du glaubst, dass Offenheit, Respekt, Freundlichkeit, Kooperation und Empathie zum Erfolg eines Staates oder einer Unternehmung führen oder eben Protektionismus, Ausgrenzung, Abschottung, Machtdemonstration und Gewalt.
Er selbst glaube an die erste Geschichte und sei Zeit seines Lebens für diese Version eingetreten – im Gegensatz zu anderen US- Administrationen vor und nach seiner Amtszeit.
Diese zwei Geschichten finden je nach geschichtlichem und sozialem Kontext ihre Anhänger und Mehrheiten. Daran wirst auch Du nichts ändern. Was ich aber daraus für mich abgeleitet habe, ist Folgendes: Tritt für etwas ein und bewahre Dir Deine Überzeugungen.
Du kannst Dinge für Geld tun oder für ein übergeordnetes Ziel. Im besten Fall findest Du den Punkt, wo sich diese beiden Bereiche überschneiden. Dann hältst Du ein mächtiges Werkzeug in Deinen Händen. Nutze es weise und baue Dir etwas auf, das materielle Wünsche überdauert und auch nach mindestens 10, 20 oder 50 Jahren den Unterschied macht, den Du Dir insgeheim wünschst und den diese Welt seit Anbeginn benötigt.
Viel Erfolg, Uwe
Bild: Gedankentanken