Neulich sagte mir bei einem Vortrag ein Teilnehmer: „Wäre es nicht schön, wir könnten die Krisen einfach abschaffen. Eine Welt ohne Krisen – das wäre doch großartig!“ Meine Antwort darauf war recht klar und knapp: „Eine Welt ohne Krisen wäre eine Hölle aus Stillstand, in der wir niemals auch nur annähernd unser wahres Potenzial erreichen könnten!“ Denn mal ehrlich: wer von uns würde seine eigenen, selbst gesteckten Grenzen freiwillig und ohne größere Not überschreiten? Wer von uns wäre bereit seine eigene Komfortzone zu verlassen, ohne dass ihnen das Leben hin und wieder ein wenig schubst? Und wer sich mit Biografien von erfolgreichen Menschen einmal auseinandergesetzt hat, kann immer wieder beobachten, dass diese Menschen ohne eine anständige Krise, und manchmal auch mehrere Krisen, nie da hingekommen wären wo sie am Ende erfolgreich waren.
Nehmen wir allein jemanden wie den legendären Steve Jobs. Er wurde 1985 von dem Vorstand seines von ihm gegründeten Unternehmens, Apple, vor die Tür gesetzt. Eine bittere und absolut schmerzhafte Erfahrung in seinem Leben. Und auch wenn man aus heutiger Sicht ehrlicherweise sagen muss, dass dieser Rauswurf wirtschaftlich absolut gerechtfertigt war, so dürfte es Steve Jobs jedoch wahrlich mehr als geschmerzt haben. Für ihn bedeutete es damals die Chance auf eine komplette Neuorientierung seiner beruflichen Ausrichtung. All das was dann passierte ist Legende. Allein seine Übernahme von Pixar und der fulminante Erfolg der ersten computeranimierten Filme wäre ohne diesen Rauswurf bei Apple nie möglich gewesen.
Und meine These ist, dass sein furioses Comeback in den neunziger Jahren bei Apple und der Aufstieg zum wertvollsten Unternehmen der Erde nur möglich war, durch die Erfahrung der Krise Anfang der achtziger Jahre. Damals ist Steve Jobs kolossal gescheitert und durfte für sein späteres Wirken wahrlich eine Menge lernen.
Selbstbewusstsein entsteht, wenn wir uns selbst oft genug an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen haben. Und das ist wahrscheinlich die größte Lernerfahrung der Krise: Wir haben sie überlebt. Dies hilft uns Selbstbewusstsein zu tanken. Wir wissen was wir schon alles geschafft haben.
Weitere Punkte sind:
Krisen sind, richtig betrachtet, der ultimative „Lernbooster“. Nichts treibt uns mehr voran in unserem Leben als eine richtig herausfordernde Krise.
Trotz allem was wir planen – irgendwann erwischt es uns und die Erde bebt. Da ist sie dann, die Krise.
Was ist dann zu tun? Hier die wichtigsten Punkte:
Entscheidend ist, dass wir nicht anfangen uns selbst klein zu machen und in Selbstzweifeln versinken. Dazu gibt es keinen Grund und hindert die Krisenbewältigung. Krisen und Fehlschläge passieren – egal wie gut wir planen. Das müssen wir uns bewusst machen. Wir haben eben nicht alles unter Kontrolle.
Ich glaube, wenn es uns gelingt, der Krise den Beigeschmack des Untergangs zu nehmen, ist die Niederlage ein absolut produktiver Zustand. Nie können wir so schnell und einfach Änderungen in unserem Unternehmen und bei uns selbst vornehmen wie in Zeiten der Krise. Ich weiß sicher, dass es kein Patentrezept gibt sicher durch eine Krise hindurch zu kommen. Aber ich weiß auch, dass wir uns mit dem richtigen „Mindset“ systematisch mit einem Fehlschlag auseinandersetzen können und das meiste daraus lernen können.
Dies ist auch die Rückmeldung der ersten Leser meines Buches. Es ist eben kein klassischer Erfolgsratgeber. Sondern eher ein tiefes Nachdenken darüber, warum wir Menschen so viel Angst vor der Krise haben und welche Möglichkeiten uns offenstehen diese Angst zu überwinden – für das Leben unserer Träume und damit es uns gelingen möge unseren Weg mutig zu beschreiten. Auch wenn wir zwischendurch auf der Nase landen.
Autor:
Bildquelle: Sabrina Nagel, Cover: Campus