Weibliche Qualität – repräsentiert durch die Frauen – wurde über lange Zeit unterdrückt. Das einzige Mittel, um sich »Macht« zu verschaffen, war Schönheit. Durch ihren starken Sexualtrieb konnten Männer so abhängig gemacht werden und wurden »lenkbar«. Wofür wir die Männer heute verurteilen, nämlich die Frauen auf ihren Körper zu reduzieren, war somit eine aus der Not geborene Idee von uns Frauen selbst. Und ein Stück weit natürlich auch Mittel der Evolution. Die Freiheit, die sich viele unserer Vorfahrinnen damals wünschten, wurde mit dem »Mann sein« assoziiert. Männer durften entscheiden, Männer waren frei und unabhängig. Da Weiblichkeit also über viele Generationen eher zu Unmündigkeit und Unglück geführt hat als zu Erfüllung, hat sich eine kollektive Ablehnung der Weiblichkeit eingeprägt. Als unsere mutigen Vorfahrinnen sich irgendwann aus der Unterdrückung befreien wollten, kämpften sie eher dafür, wie ein »freier Mann« leben zu dürfen, anstatt wie eine »freie Frau«. Anstatt den Wert der Weiblichkeit »gesellschaftstauglich« zu machen und dessen Wertschätzung und Anerkennung zu stärken, kämpften die Frauen also auf männliche Weise für männliche Rechte.
Diese Strategie wird übrigens bis heute verfolgt: Noch immer kämpfen Frauen teilweise mit harten Mitteln gegen Ungerechtigkeiten, die faktisch vielleicht gar nicht mehr bestehen. Denn in Bezug auf die Rechte und das Gehör in der Gesellschaft sind Frauen heutzutage viel mächtiger als Männer. Wir haben uns so viele Vorrechte erkämpft, dass wir womöglich schon kurz vor der Unterdrückung der Männer stehen.
Vorab sei gesagt, dass Männer und Frauen beide jeweils über männliche und weibliche Energie verfügen und somit – unabhängig vom Geschlecht – männliche und weibliche Stärken besitzen. Männliche Energien und Qualitäten sind meist nach außen gerichtet, messbar und greifbar wie etwa Logik, Zielorientierung, aktives Handeln etc. Weibliche Energien sind nach innen gerichtet, subtiler und eher »fühlbar« als sichtbar wie beispielsweise folgende:
Wirklich starke Visionen und Innovationen kommen nie aus dem logischen Verstand, der ja nur neu zusammenfügen kann, was er schon von irgendwoher kennt, sondern zeigen sich in Geistesblitzen und Eingebungen. Diese können nicht erzwungen oder erarbeitet werden, der Mensch kann sich lediglich dafür öffnen und sie »empfangen«. Die Intuition ist also eine typisch weibliche Qualität.
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