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Legendäre Erfindungen: James Watt und die Dampfmaschine

In unserer Reihe »Legendäre Erfindungen« blicken wir auf Innovationen, ohne die unsere Lebensrealität heute eine andere wäre. Zum Auftakt geht es um einen der wichtigsten Wegbereiter der industriellen Revolution: die Dampfmaschine.

3 Min.

03.07.2026

Sie hat die Wirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes angekurbelt, die Warenproduktion automatisiert und den Transport von Gütern erleichtert: Wer an die Erfindung der Dampfmaschine denkt, verbindet diese oft unmittelbar mit dem Namen James Watt – doch das ist nicht ganz richtig. Warum erinnern wir uns ausgerechnet an ihn?

Eine Idee mit vielen Vätern

Wie so oft reichen auch bei der Dampfmaschine die Wurzeln ihrer Erfindung bis in die Antike zurück. Wirklich ins Rollen kam die Entwicklung jedoch erst Ende des 17. Jahrhunderts – und nicht im heutigen Großbritannien. Ende des 17. Jahrhunderts legte der Physiker Denis Papin mit seinen Experimenten eines durch Wasserdampf betriebenen Kolbens wichtige Grundlagen für die nachfolgenden Entwicklungen. Auf dieser Basis konzipierte nur wenige Jahre später der Engländer Thomas Savery eine dampfbetriebene Pumpe für den Bergbau, die er »The Miner’s Friend« nannte. Anders als bei Papin kam diese ohne Kolben aus. Doch das Gerät, das den Bergbau revolutionieren sollte, erwies sich in der Praxis als ineffizient und nicht massentauglich; ein Patent erhielt Savery aber dennoch. Den entscheidenden nächsten Schritt machte im Jahr 1712 der Schmied und Eisenhändler Thomas Newcomen. Seine Weiterentwicklung, die sogenannte »atmosphärische Dampfmaschine«, sah im Gegensatz zu Saverys Entwurf wieder Kolben und Zylinder vor und wurde eine Zeit lang tatsächlich im Bergwerkswesen eingesetzt.

Vom Versuch zur Veränderung

Es dauerte weitere Jahrzehnte, bis diese Newcomen-Maschine einem schottischen Tüftler in die Hände fiel, der es ohne Abschluss an die Universität geschafft hatte und dort für die Wartung und Reparatur physikalischer Geräte zuständig war. Sein Name: James Watt. Als er die Konstruktion untersuchte, erkannte er ihr größtes Problem – es war der Zylinder, der ständig von neuem erhitzt und wieder abgekühlt werden musste, was sich als aufwendig gestaltete. Watts Lösung war der separate Einbau eines Kondensators. Dadurch blieb der Arbeitszylinder heiß, und die Maschine wurde deutlich effizienter.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner brachte Watt diese nun auf den Markt – zu ihrem Erfolg trug allerdings nicht nur die Technik, sondern auch das Marketing bei: Mit der von ihm eingeführten Einheit der Pferdestärke, kurz PS, schuf er nämlich einen Vergleichswert, unter dem sich jeder im georgianischen Zeitalter etwas vorstellen konnte.

Warum Watt im Gedächtnis bleibt

James Watt war weder der Erste noch der Letzte, der einen Anteil zur Entwicklung Dampfmaschine in ihrer heutigen Form leistete. Denn die Hochdruckdampfmaschine, die später auch den Weg zur Dampflokomotive ebnete, entwickelte erst Richard Trevithick zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Doch Watt machte aus der ursprünglichen Idee eine wirtschaftlich nutzbare und massentaugliche Erfindung. Auf seinen Beitrag an der bahnbrechenden Innovation angesprochen, gab er sich zeitlebens allerdings bescheiden. Einige Jahre nach seiner Patentanmeldung 1769 äußerte er sich etwa wie folgt: »Ich bin jetzt fünfunddreißig Jahre alt und habe der Welt noch nicht für fünfunddreißig Pfennige genützt.« Doch auch wenn Watt nicht der Vater der Dampfmaschine ist, für die er landläufig gehalten wird, zeigt die Geschichte deutlich, dass legendäre Erfindungen selten aus dem Nichts entstehen. Wer zur richtigen Zeit das entscheidende Problem löst, kann die Welt verändern – auch ohne Schulabschluss. AS

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