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Gründer-Hotspots: Hamburg schlägt Berlin

Ein neues Städteranking stellt Deutschlands Gründungslandschaft auf den Kopf – doch die tatsächliche Start-up-Dynamik erzählt eine differenziertere Geschichte

12 Min.

06.11.2026

Hamburg an der Spitze: Die Hansestadt führt den Business-Hub-Index 2026 vor München und Düsseldorf an. 

Hamburg auf Platz eins, Düsseldorf vor Berlin und Braunschweig unter den sieben attraktivsten Wirtschaftsstandorten Deutschlands: Ein neues Ranking des Technologieunternehmens Hostinger zeichnet eine überraschende Landkarte der deutschen Gründerszene. Doch die Ergebnisse werfen auch eine grundsätzliche Frage auf: Was macht eine Stadt tatsächlich zu einem guten Standort für Unternehmer? Während klassische Standortfaktoren eine zunehmend dezentrale Wirtschaftslandschaft zeigen, erreicht die Zahl innovativer Start-up-Gründungen neue Höchststände.

Wer in Deutschland ein Start-up gründen möchte, denkt häufig zuerst an Berlin. Die Hauptstadt gilt seit Jahren als Zentrum der deutschen Gründerszene, verfügt über internationale Netzwerke, zahlreiche Technologieunternehmen und eine ausgeprägte Wagniskapitalszene.

Doch ein neues Städteranking kommt zu einem anderen Ergebnis. Im Business-Hub-Index 2026 des Technologieunternehmens Hostinger belegt nicht Berlin, sondern Hamburg den ersten Platz.

Die Hansestadt erreicht 72,7 von maximal 100 Punkten. Dahinter folgen München mit 68,1 Punkten und Düsseldorf mit 68,0 Punkten. Frankfurt am Main liegt mit 66,3 Punkten auf Rang vier. Berlin schafft es mit 63,6 Punkten lediglich auf den fünften Platz.

Die Untersuchung, die am 22. Oktober veröffentlicht wurde, vergleicht 30 deutsche Großstädte anhand wirtschaftlicher und digitaler Standortfaktoren.

Die Rangfolge bedeutet allerdings nicht, dass Hamburg auch die meisten innovativen Start-ups hervorbringt. Vielmehr zeigt die Studie, wie stark sich die Bewertung eines Wirtschaftsstandorts verändert, sobald andere Kriterien als die reine Zahl der Unternehmensgründungen berücksichtigt werden.

Fünf Faktoren entscheiden über das Ranking

Für den Business-Hub-Index untersuchte Hostinger fünf Merkmale: Gewerbeanmeldungen, Domainregistrierungen, digitale Infrastruktur, durchschnittliche Gehälter und Bevölkerungswachstum.

Die Zahl der Gewerbe- und Domainregistrierungen wurde jeweils ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt, um Städte unterschiedlicher Größe vergleichbar zu machen. Anschließend normalisierten die Analysten sämtliche Indikatoren auf einer Skala von null bis 100 und gewichteten sie gleich.

Jeder Faktor fließt somit mit 20 Prozent in die Gesamtbewertung ein.

Die digitale Infrastruktur wird anhand der Gigabit-Abdeckung bewertet. Beim Bevölkerungswachstum betrachtet die Untersuchung den Zeitraum von 2021 bis 2025. Die Einkommensdaten stammen von der Plattform Numbeo, die Angaben unter anderem aus Nutzerbeiträgen zusammenstellt.

Die Ergebnisse sind damit eine Bewertung ausgewählter Standortbedingungen, keine direkte Messung des wirtschaftlichen Erfolgs neu gegründeter Unternehmen.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein Standort kann über hohe Einkommen, ausgezeichnete Internetversorgung und zahlreiche Gewerbeanmeldungen verfügen, ohne zugleich das führende Zentrum für technologieorientierte Start-ups zu sein.

Warum Hamburg vor den anderen Metropolen liegt

Hamburg erreicht den ersten Platz nicht durch einen einzelnen außergewöhnlichen Wert, sondern durch eine vergleichsweise ausgewogene Kombination mehrerer Faktoren.

Besonders stark schneidet die Hansestadt bei der digitalen Infrastruktur ab. Laut Hostinger liegt die Gigabit-Abdeckung bei mehr als 97 Prozent. Hinzu kommen eine hohe Dichte an Gewerbeanmeldungen und eine positive Bevölkerungsentwicklung.

München folgt dicht dahinter. Die bayerische Landeshauptstadt profitiert vor allem von ihrem hohen Einkommensniveau und einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur. Allerdings liegt sie bei einzelnen anderen Faktoren hinter Hamburg.

Düsseldorf erzielt wiederum die höchste Zahl an Gewerbeanmeldungen je Einwohner unter den 30 untersuchten Städten. Damit erreicht die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt beim entsprechenden Indikator den Spitzenwert.

Frankfurt profitiert insbesondere von seiner wirtschaftlichen Stärke und dem hohen Einkommensniveau.

Dass Berlin trotzdem nur Platz fünf erreicht, liegt weniger an fehlender Gründungsaktivität als an der Berechnung des Index. Die Hauptstadt weist zwar hohe absolute Unternehmenszahlen und eine dynamische Bevölkerungsentwicklung auf, verliert im Pro-Kopf-Vergleich bei den Domainregistrierungen und den durchschnittlichen Einkommen jedoch Punkte.

Das Ergebnis macht deutlich, dass nicht allein die Größe eines Wirtschaftsstandorts entscheidend ist. Eine Millionenstadt kann bei absoluten Gründungszahlen führend sein und trotzdem hinter einer kleineren Stadt landen, wenn die Werte je Einwohner betrachtet werden.

Bonn, Braunschweig und Mannheim rücken ins Blickfeld

Besonders interessant ist das Abschneiden der Städte außerhalb der bekannten Gründermetropolen.

Bonn belegt mit 60,7 Punkten Rang sechs. Die ehemalige Bundeshauptstadt erzielt in mehreren Kategorien ausgeglichene Ergebnisse und profitiert von einer guten digitalen Infrastruktur.

Braunschweig folgt mit 55,8 Punkten auf Rang sieben. Beim durchschnittlichen Einkommen erreicht die Stadt sogar den höchsten Wert der gesamten Untersuchung. Hostinger nennt ein Monatsgehalt von 3.882 Euro und verweist auf die Bedeutung der regionalen Automobilindustrie und Forschungseinrichtungen.

Mannheim und Bremen folgen auf den Plätzen acht und neun. Beide Städte schneiden insbesondere bei der digitalen Infrastruktur gut ab.

Auch Leipzig fällt in der Untersuchung auf. Die sächsische Großstadt verzeichnet unter den betrachteten Standorten das stärkste Bevölkerungswachstum.

Für angehende Gründer können solche regionalen Unterschiede durchaus relevant sein.

Wer ein Unternehmen mit starkem Bezug zur Industrie aufbauen möchte, benötigt möglicherweise Zugang zu Produktionspartnern und technischen Fachkräften. Für ein digitales Dienstleistungsunternehmen können dagegen die Internetversorgung, die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter und die örtlichen Betriebskosten wichtiger sein.

Ein Gründer, der sich auf universitäre Forschung stützt, hat wiederum andere Anforderungen als ein Handelsunternehmen oder ein international ausgerichtetes Software-Start-up. Die Attraktivität eines Standorts hängt deshalb auch davon ab, welche Art von Unternehmen dort entstehen soll.

Die tatsächlichen Start-up-Zahlen ergeben ein anderes Bild

Wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen können, zeigt ein Vergleich mit den Daten des Deutschen Startup-Verbands und des Analyseunternehmens startupdetector.

Die beiden Organisationen erfassen auf Grundlage von Handelsregisterdaten die Entstehung innovativer Start-ups in Deutschland.

Für das Jahr 2025 ermittelten sie insgesamt 3.568 Neugründungen. Das waren 29 Prozent mehr als im Vorjahr und zugleich ein neuer Höchststand seit Beginn ihrer systematischen Erhebungen. Im ersten Halbjahr 2026 beschleunigte sich die Entwicklung nochmals erheblich. Zwischen Januar und Juni wurden 3.053 neue Start-ups registriert. Das entspricht einem Anstieg um 52 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025. Allein im Juni entstanden mehr als 600 Start-ups – ein neuer Monatsrekord.

Allerdings ergibt sich bei der regionalen Verteilung eine andere Reihenfolge als im Hostinger-Index.

Berlin war im ersten Halbjahr 2026 mit 429 neu gegründeten Start-ups weiterhin die Stadt mit den meisten Gründungen in absoluten Zahlen. Hamburg erreichte 212 Neugründungen und überholte damit München. Besonders auffällig war das Wachstum der Hansestadt: Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 stieg ihre Gründungsaktivität um 83 Prozent. Bezogen auf die Einwohnerzahl blieb jedoch München an der Spitze. Berlin und Düsseldorf teilten sich Rang zwei, während Hamburg auf Platz sechs lag.

Die beiden Untersuchungen widersprechen sich deshalb nicht. Sie beantworten unterschiedliche Fragen.

Hostinger bewertet ausgewählte allgemeine Standortbedingungen. Der Startup-Verband untersucht, wo tatsächlich neue, innovative Unternehmen entstehen.

Wer wissen möchte, welche Stadt gegenwärtig die meisten Technologiegründungen hervorbringt, erhält aus dem zweiten Datensatz die unmittelbarere Antwort.

Wer verschiedene wirtschaftliche Rahmenbedingungen vergleichen möchte, kann dagegen aus dem Business-Hub-Index zusätzliche Informationen gewinnen.

Gewerbeanmeldungen sind nicht gleich Start-up-Gründungen

Eine wichtige methodische Grenze des Hostinger-Rankings liegt in der Verwendung allgemeiner Gewerbeanmeldungen.

Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes umfasst die Gewerbeanzeigenstatistik nicht ausschließlich Neugründungen. Auch Betriebsübernahmen, Rechtsformwechsel, Umwandlungen und der Zuzug bestehender Unternehmen können eine Gewerbeanmeldung erforderlich machen.

Zudem sind Gewerbeanmeldungen zunächst administrative Meldungen. Sie beweisen nicht, dass tatsächlich ein wirtschaftlich aktiver und dauerhaft erfolgreicher Betrieb entsteht.

Auch Domainzahlen lassen sich nicht unmittelbar mit neuen Unternehmen gleichsetzen. Eine Firma kann zahlreiche Internetadressen registrieren. Umgekehrt kann ein erfolgreiches Unternehmen mit einer einzigen Domain auskommen oder seine digitale Präsenz zunächst über andere Plattformen organisieren.

Besonders deutlich wird das bei einem Blick auf die Statistik der deutschen Domainverwaltung DENIC. In der Stadt Osnabrück entfielen 2025 rechnerisch rund 1.965 registrierte .de-Domains auf 1.000 Einwohner. Damit lag die Stadt weit vor den meisten großen Metropolen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass es dort entsprechend viele Unternehmen oder Neugründungen gibt. Domainzahlen beschreiben zunächst die Verteilung von Internetadressen, nicht die Zahl wirtschaftlich aktiver Betriebe.

Ein weiterer methodischer Punkt betrifft die Gehälter. Hohe Durchschnittseinkommen können auf einen attraktiven Arbeitsmarkt und die Präsenz qualifizierter Fachkräfte hindeuten. Aus Sicht eines jungen Unternehmens bedeuten sie möglicherweise aber auch höhere Personalkosten. Zudem sind nutzerbasierte Gehaltsangaben nicht ohne Weiteres mit amtlichen Einkommensstatistiken gleichzusetzen.

Dass alle fünf Faktoren im Hostinger-Index das gleiche Gewicht erhalten, ist ebenfalls eine methodische Entscheidung. Für einzelne Gründer können die Kriterien jedoch sehr unterschiedliche Bedeutung besitzen.

Die Punktzahl einer Stadt ist deshalb keine allgemeingültige Messgröße für ihren tatsächlichen unternehmerischen Erfolg.

Künstliche Intelligenz verändert die Gründungslandschaft

Parallel zur regionalen Entwicklung verändert sich auch die Art der neu entstehenden Unternehmen. Der Startup-Verband sieht künstliche Intelligenz als einen der wichtigsten Treiber des derzeitigen Gründungsbooms.

Im ersten Halbjahr 2026 wiesen bereits 1.038 der neu gegründeten Start-ups einen klaren KI-Bezug auf. Damit beschäftigte sich mehr als jedes dritte neue Unternehmen mit entsprechenden Technologien oder Anwendungen.

Der Software-Sektor blieb mit 844 Neugründungen die größte Branche. Aber auch Medizin, Lebensmitteltechnologie und industrielle Anwendungen entwickelten sich dynamisch.

Die Zahl neu gegründeter Industrie-Start-ups stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 um 125 Prozent auf 128. Das zeigt, dass die aktuelle Gründungswelle nicht ausschließlich aus digitalen Geschäftsmodellen besteht.

Wo Forschungseinrichtungen, industrielle Unternehmen und spezialisierte Fachkräfte zusammenkommen, können neue Geschäftsideen entstehen. Für solche Gründungen sind andere Standortfaktoren entscheidend als für einen kleinen Onlinehandel oder eine digitale Beratungsfirma.

Ein junges Industrieunternehmen benötigt möglicherweise Laborflächen, technische Anlagen, Entwicklungspartner und Zugang zu anspruchsvollen Kunden. Eine leistungsfähige Internetverbindung allein reicht dafür nicht aus.

Mit der zunehmenden Bedeutung künstlicher Intelligenz können sich Standortanforderungen allerdings auch verändern. Bestimmte technische und administrative Aufgaben lassen sich inzwischen mit digitalen Werkzeugen schneller und kostengünstiger erledigen.

Das kann Gründungen außerhalb der traditionellen Metropolen erleichtern. Ob diese Möglichkeiten langfristig zu einer dauerhaften regionalen Verlagerung führen, lässt sich aus den bisherigen Zahlen allerdings noch nicht ableiten.

Der beste Gründungsstandort ist nicht für jeden derselbe

Für Gründer liefert der Städtevergleich deshalb weniger eine verbindliche Rangliste als vielmehr eine Anregung, die eigene Standortentscheidung systematisch zu treffen. Entscheidend ist zunächst das Geschäftsmodell.

Ein Unternehmen, das vor allem digital arbeitet, kann seine Standortwahl vergleichsweise flexibel gestalten. Dort stehen möglicherweise Lebenshaltungskosten, qualifizierte Mitarbeiter, Internetversorgung und die Anbindung an internationale Kunden im Vordergrund.

Für ein Unternehmen mit eigener Produktion spielen Grundstückspreise, Energieversorgung, Genehmigungen und die Nähe zu Zulieferern eine größere Rolle. Bei forschungsintensiven Gründungen können wiederum Hochschulen, Forschungseinrichtungen und regionale Innovationsnetzwerke ausschlaggebend sein.

Hinzu kommt die Finanzierung. Wachstumsorientierte Start-ups benötigen häufig erhebliches Kapital, lange bevor sie dauerhaft Gewinne erzielen. Deshalb sind der Zugang zu Investoren, geeigneten Förderprogrammen und erfahrenen Unternehmenspartnern wichtige Standortfaktoren.

Diese Aspekte werden im Hostinger-Ranking nicht direkt berücksichtigt.

Der Startup-Verband warnt bereits davor, dass Deutschland zwar immer mehr innovative Unternehmen hervorbringt, bei ihrer langfristigen Finanzierung und internationalen Skalierung aber weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen. Verbandspräsidentin Verena Pausder fordert deshalb bessere Voraussetzungen für europäisches Wachstumskapital, damit erfolgreiche Gründungen nicht dauerhaft auf ausländische Finanzierung und Übernahmekandidaten angewiesen bleiben.

Die Frage, wo sich ein Unternehmen gut gründen lässt, ist somit nicht zwangsläufig identisch mit der Frage, wo es später erfolgreich wachsen kann.

Deutschlands Gründerkarte wird vielfältiger

Das Hostinger-Ranking zeigt eine Entwicklung, die sich auch in anderen Untersuchungen abzeichnet: Unternehmerische Chancen konzentrieren sich nicht ausschließlich auf Berlin, München und wenige weitere Großstädte.

Hamburg profitiert von einer ausgewogenen Kombination wirtschaftlicher und digitaler Standortbedingungen. Düsseldorf weist eine hohe allgemeine Gewerbeaktivität auf. Bonn, Braunschweig und Mannheim bieten eigene regionale Stärken.

Die Start-up-Daten bestätigen zugleich, dass sich die Gründungsdynamik zunehmend über verschiedene Regionen Deutschlands verteilt. Dennoch wäre es verfrüht, aus dem neuen Ranking eine endgültige Ablösung Berlins als führendem Start-up-Standort abzuleiten.

Die Hauptstadt bleibt bei den tatsächlichen Neugründungen in absoluten Zahlen vorn. München führt beim Verhältnis von Start-ups zur Einwohnerzahl, während Hamburg zuletzt besonders stark gewachsen ist.

Welche Stadt den attraktivsten Standort bietet, hängt damit nicht nur von statistischen Kennzahlen ab, sondern vor allem davon, welche Voraussetzungen ein Unternehmen für seine konkrete Entwicklung benötigt.

Die eigentliche Erkenntnis des neuen Städtevergleichs liegt deshalb weniger darin, dass Hamburg Berlin überholt hat. Sie liegt darin, dass Deutschlands Gründungslandschaft inzwischen deutlich mehr wirtschaftlich interessante Standorte bietet, als die traditionelle Konzentration auf wenige Start-up-Metropolen vermuten lässt.

Für Unternehmer ist das eine gute Nachricht: Wer heute gründet, muss sich nicht zwangsläufig zwischen den bekannten Zentren entscheiden. Er kann den Standort suchen, dessen Stärken tatsächlich zu seinem Geschäftsmodell passen.

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