Aus dem Magazin

Der Körper – das wichtigste Kapital

Till Duve über Schlaf, Gesundheit und Leistungsfähigkeit 

Unternehmer investieren viel Zeit, Kapital und Aufmerksamkeit in ihr Unternehmen. Prozesse werden optimiert, Zahlen analysiert, Mitarbeiter entwickelt und Risiken abgesichert. Eine Ressource bleibt dabei erstaunlich häufig außerhalb dieses professionellen Managements: der Unternehmer selbst. Schlafmangel, Stress, fehlende Regeneration oder nachlassende Energie werden oft nicht als Problem betrachtet solange der Arbeitsalltag noch funktioniert. Till Duve plädiert deshalb für einen Perspektivwechsel: Gesundheit und Leistungsfähigkeit sollten genauso bewusst gemanagt werden wie andere erfolgskritische Ressourcen eines Unternehmens, findet er. Im Interview spricht der Experte über die Frage, warum Unternehmer einen Leistungsabfall häufig selbst nicht bemerken und warum gute Performance mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnt.

3 Min.

06.11.2026

Herr Duve, wie wichtig ist für Sie der Körper des Unternehmers? Oder anders gefragt: Kann ein Unternehmen erfolgreich sein, wenn sein Gründer auf Kosten der eigenen Gesundheit arbeitet?

Mein Körper ist letztlich die einzige erfolgskritische Ressource meines Unternehmens, die ich nicht ersetzen kann. Eine Maschine kann ich austauschen, Software kann ich wechseln, Prozesse lassen sich verändern. Mich selbst kann ich nicht einfach ersetzen. Gerade in inhabergeführten Unternehmen hängen strategische Entscheidungen, wichtige Kundenbeziehungen, Führung, Kapitalallokation und ein großer Teil der Unternehmenskultur an einer einzigen Person. Der Unternehmer selbst ist damit ein Teil der kritischen Infrastruktur seines Unternehmens. Mit Kaffee, Adrenalin, Disziplin und Verantwortungsgefühl kann man Müdigkeit oder Erschöpfung zwar lange überdecken, die Frage lautet aber: Zu welchem Preis? Wenn meine Konzentration schlechter wird, betrifft das meine Entscheidungen. Wenn meine Stressresistenz sinkt, betrifft das meine Führung. Wenn ich ständig erschöpft bin, beeinflusst das irgendwann Kreativität, Geschwindigkeit und die Bereitschaft, komplexe oder unangenehme Themen anzugehen. Dann ist körperliche und mentale Leistungsfähigkeit kein reines Gesundheitsthema mehr.Deshalb finde ich auch den Gedanken der Vorsorge so wichtig.

Das Interessante ist: Bei jeder anderen kritischen Infrastruktur betreiben wir Vorsorge. Wenn beim Auto die Motorkontrollleuchte angeht, kleben wir sie schließlich nicht ab. Wir lesen den Fehlerspeicher aus und suchen nach der Ursache. Warum gehen wir bei Müdigkeit, Schlafproblemen oder Leistungsabfall häufig genau andersherum vor? Mehr Kaffee, mehr Disziplin, irgendein Supplement – das sind manchmal nichts anderes als Versuche, die Warnleuchte unsichtbar zu machen. Mich interessiert zuerst: Warum leuchtet sie überhaupt?

Warum behandeln viele Gründerinnen und Gründer ihren Körper schlechter als ihr Unternehmen – obwohl beides wichtige Ressourcen sind?

Weil Unternehmer sehr gut darin sind, Dinge auszuhalten. Das ist zunächst eine Stärke. Unternehmertum verlangt Frustrationstoleranz, Verantwortungsbewusstsein, Zielorientierung und die Fähigkeit, auch dann weiterzumachen, wenn es unangenehm wird. Problematisch wird es, wenn genau diese Eigenschaften dazu führen, dass Warnsignale über Jahre hinweg normalisiert werden. Wenn ich morgens länger brauche, um klar zu werden, nachmittags regelmäßig einbreche, Konzentrationsprobleme bekomme, bei Mitarbeitern schneller gereizt bin oder nach einem Arbeitstag für nichts anderes mehr Energie habe, sind das zunächst keine dramatischen Ereignisse. Man sagt sich schnell: »Das ist eben Unternehmertum.« Ich halte das für einen gefährlichen Satz.

Wir sehen solche Konstellationen auch in unserer Arbeit. Zum Beispiel bei einem Geschäftsführer, dessen beruflicher Alltag mit 34 Jahren gut zu funktionieren schien. Gleichzeitig berichtete er von weniger Energie, regelmäßigen Mittagstiefs und Konzentrationsproblemen. Dazu kamen Verdauungsbeschwerden, wenig Alltagsbewegung und abendlicher Heißhunger. Bei der strukturierten Bestandsaufnahme zeigten sich zusätzlich Auffälligkeiten in relevanten Blutwerten, unter anderem im Lipid- und Insulinresistenz-Cluster sowie niedrige Vitamin-D- und Vitamin-B12-Werte. Darauf aufbauend wurden unter anderem regelmäßiges Krafttraining, mehr Alltagsbewegung und Spaziergänge nach den Mahlzeiten sowie eine ergänzende Supplement- und Darmstrategie implementiert. Wearable- und App-Daten helfen dabei, die Entwicklung systematischer zu beobachten. Der Geschäftsführer war nicht arbeitsunfähig. Er hat weiter funktioniert. Und genau darin liegt der blinde Fleck: Funktionieren und auf dem eigenen Leistungsniveau zu arbeiten sind unterschiedliche Dinge.

Den Text »Der Körper – das wichtigste Kapital« und weitere spannende Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des founders Magazins Nr. 96 -> LINK

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