Story

Emmanuel Whajah: »Skalierung beginnt, wenn du loslässt.«

4 Min.

16.04.2026
Viele Kreative scheitern nicht am Talent, sondern daran, daraus ein skalierbares Geschäft zu entwickeln. Der Schritt vom Einzelkämpfer zum Unternehmer verlangt mehr als handwerkliches Können – er erfordert ein radikales Umdenken. Mit seiner Produktionsfirma Play The Game GmbH hat Emmanuel Whajah (@emmanuelwhajah) genau diesen Wandel vollzogen und arbeitet heute mit internationalen Top-Artists und Marken auf höchstem Niveau. Im Interview spricht er darüber, warum Loslassen der entscheidende Hebel für Wachstum ist, wie man mit globalen Superstars auf Augenhöhe arbeitet und weshalb echter Premium-Content nicht durch Technik, sondern durch klare Haltung entsteht.
Viele Kreative bleiben Zeit ihres Lebens Einzelkämpfer. Was war für Sie der schwierigste operative Schritt, um aus Ihrem Talent als Videograf ein skalierbares Unternehmen wie Play The Game GmbH zu machen?

Der schwierigste Schritt war nicht das Wachstum, sondern das Loslassen. Als Freelancer bist du es gewohnt, alles selbst zu kontrollieren – von der Kamera über den Schnitt bis hin zum Kundenkontakt. Doch echte Skalierung beginnt genau in dem Moment, in dem du akzeptierst, dass du nicht länger der Engpass sein darfst.

Ich musste lernen, nicht nur Projekte umzusetzen, sondern Prozesse zu entwickeln. Konkret bedeutet das: klare Workflows, ein starkes Team und vor allem Vertrauen. Der Wechsel vom »Ich mache alles selbst« hin zu »Ich baue ein System, das auch ohne mich funktioniert« ist mental die größte Herausforderung.

Sie arbeiten mit globalen Superstars. Wie baut man eine professionelle Geschäftsbeziehung zu Ikonen wie die Michael Jackson Family und Ms. Lauryn Hill auf, ohne in die Rolle des »Fans« zu rutschen?

Du musst verstehen: In dem Moment, in dem du als Fan auftrittst, verlierst du an Wert.

Ich gehe in solche Situationen immer mit einer klaren Haltung: Ich bin hier, um ein Problem zu lösen – nicht, um beeindruckt zu sein. Stars arbeiten mit Menschen, die liefern, nicht mit denen, die sie bewundern. Das bedeutet: gründliche Vorbereitung, klare Kommunikation und absolute Professionalität am Set. Respekt ist wichtig, aber echte Zusammenarbeit entsteht nur auf Augenhöhe.

In einer Welt, in der jeder ein Smartphone hat, ist Video-Content Massenware. Wie sichern Sie strategisch den Premium-Status Ihrer Marke?

Technik ist heute kein Differenzierungsmerkmal mehr – Geschmack, Vision und Umsetzung dagegen schon. Unser Fokus liegt nicht darauf, einfach Content zu produzieren, sondern kulturelle Relevanz zu schaffen.

Premium entsteht aus drei Faktoren:

  1. Eine klare visuelle Handschrift
  2. Eine bewusste, selektive Kundenwahl
  3. Ergebnisse, die messbaren Impact liefern

Wenn du für alles verfügbar bist, wirst du austauschbar. Exklusivität ist eine bewusste Entscheidung und bedeutet auch, gezielt »Nein« zu sagen.

Bei High-Stakes-Produktionen gibt es keine zweite Chance. Welches System nutzen Sie, um unter extremem Druck die Ruhe zu bewahren?

Ruhe ist kein Zufall – sie ist trainiert. Ich arbeite mit klaren Pre-Production-Systemen: Jede Szene, jede Bewegung, jedes Risiko ist im Vorfeld durchdacht. Das reduziert Chaos enorm.

Am Set selbst gilt: Fokus auf Lösungen, nicht auf Probleme. Wenn etwas schiefgeht, interessiert sich niemand für Ausreden, nur für das Ergebnis. Ich habe gelernt, Druck als Teil des Spiels zu akzeptieren. Wenn du regelmäßig in solchen Situationen bist, wird genau das dein Normalzustand.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, in welche neuen Technologien oder Formate Sie investieren?
Ich stelle mir immer drei Fragen:
  1. Hat es kulturelle Relevanz?
  2. Hilft es mir, Geschichten besser zu erzählen?
  3. Passt es zu meiner Marke?

Nur weil etwas neu ist, ist es noch lange nicht sinnvoll. Viele springen auf jeden Trend auf – ich investiere nur dort, wo ich langfristiges Potenzial sehe. Am Ende geht es nicht um Plattformen oder Algorithmen, sondern darum, ob du es schaffst, Aufmerksamkeit in Bedeutung zu verwandeln.

Beitragsbild: Stephan Glathe

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