Das ist so, weil die meisten Menschen ihre Grenzen entweder tatsächlich nicht kennen oder sie aus Angst vor Konflikten und der Befürchtung, die andere Person zu verletzen, nicht einfordern. Es gehört erst einmal eine ganze Menge Mut und Selbstreflexion dazu. Oft meinen wir, wir müssten mit allem klarkommen. Deshalb gestehen wir es uns nicht ein, wenn wir an unsere Grenzen stoßen. Das hat damit zu tun, dass die meisten von uns als Kind die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Grenzen nicht respektiert werden. Dadurch fühlten wir uns ohnmächtig. Um diese Ohnmacht nicht mehr spüren zu müssen, haben wir uns dann dafür entschieden, unsere Grenzen nicht mehr wahrzunehmen.
Die innere Widerstandskraft ist wie ein Muskel – man kann sie aufbauen und trainieren. Allerdings gibt es Grenzen. Und man muss die Resilienz-Faktoren kennen. Unsere Resilienz wird in unseren Prägungsphasen in der Kindheit gebildet und ist abhängig vom individuellen sozialen Umfeld. Dazu gibt es eine wunderbare Studie der Entwicklungspsychologin Emmy Werner. In der »Kauai«-Studie geht es um die Langzeitfolgen prä- und perinataler Risikobedingungen und die Auswirkungen ungünstiger Lebensumstände in der frühen Kindheit auf die jeweilige physische, kognitive und psychische Entwicklung.
Der größte Unterschied ist wohl, dass Frauen ihre Gefühle eher wahrnehmen und Männer diese nicht spüren oder ignorieren, weil sie dies durch ihre Prägung so vermittelt bekommen haben. Die unterschiedlichen Rollenbilder, die beide Geschlechter erfüllen müssen, sind ebenfalls Faktoren.
Gerade auch im Privatleben kann Burnout entstehen. Zu den üblichen alltäglichen Herausforderungen kommen in diesen Zeiten weitere Herausforderungen wie Homeschooling, COVID, Krieg, Inflation und Existenzängste hinzu.
Das ist natürlich der Klassiker, der gleichzeitig so tückisch ist. Den meisten Gründern ist klar, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen nicht alles nach Plan verläuft und sie improvisieren müssen. Treten diese Situationen dann aber vermehrt ein, beginnt das negative Gedankenkarussell. Denn je häufiger solche Planabweichungen auftreten – insbesondere, wenn diese kurzfristig auftreten – desto schwieriger wird es, mit den Folgen umzugehen. Vor allem muss man neue Szenarien aufgrund der geänderten Bedingungen entwerfen, die wiederum neue Unsicherheiten mit sich bringen. Und so beginnt eine Abwärtsspirale. Hier gilt es, sich dies bewusst zu machen und dieser Entwicklung entgegenzutreten.
MK
Bild: Franziska Gunesch