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Bei Anruf reich

Wie Alexander Graham Bell das Rennen um das Telefon-Patent gewann

In unserer Reihe »Legendäre Erfindungen« blicken wir auf Innovationen, ohne die unsere Lebensrealität heute eine andere wäre.

4 Min.

28.08.2026

»Mr. Watson – kommen Sie her, ich will Sie sehen.« Mit diesen Worten soll Alexander Graham Bell am 10. März 1876 seinen Assistenten Thomas Watson zu sich gerufen haben. Watson befand sich allerdings nicht im selben Raum: Er hörte nur Bells Stimme und verstand, was gesagt wurde; ein entscheidender Moment in der Entwicklung des Telefons, dessen Patent Bell nur wenige Tage zuvor erteilt worden war. Damit hatte der Erfinder einen wichtigen Schritt im Wettlauf um die Rechte an der neuen Technik gemacht. Denn die Idee, Sprache auf elektrischem Weg über größere Entfernungen zu übertragen, war keineswegs neu.

Viele Wege, ein Ziel

Die Geschichte des Telefons reicht deutlich weiter zurück: Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts soll der Italiener Innocenzo Manzetti bereits die Vision eines »sprechenden Telegrafen«, gehabt haben; einen entsprechenden Apparat entwickelte er allerdings erst in den 1860er Jahren. Auch Antonio Meucci arbeitete seit 1849 an einem Gerät zur Sprachübertragung. 1871 meldete er seine Erfindung in den USA an, konnte den rechtlichen Schutz seiner Arbeit später jedoch aus finanziellen Gründen nicht mehr aufrechterhalten.

Einen wichtigen Beitrag leistete zudem der deutsche Physiker Johann Philipp Reis. Bei der Entwicklung seiner Maschine, die die Übertragung von Sprache über weitere Strecken ermöglichen sollte, prägte er sogar den Begriff des »Telephons«.

Die entscheidende Weiterentwicklung sollte schließlich aus den USA kommen. Der gebürtige Schotte Alexander Graham Bell beschäftigte sich bereits seit Längerem mit der Verbindung von Sprache und Technik. Doch für Bell ging es nun nicht allein um den technischen Durchbruch – er musste seine Idee auch schneller rechtlich absichern als seine Konkurrenten.

Aus der Erfindung wird ein Millionengeschäft

»Große Entdeckungen und Verbesserungen entstehen immer durch das Zusammenwirken vieler Köpfe«, soll Bell später gesagt haben; ein Satz, der in besonderer Weise auch auf die Erfindung des Telefons passt. Beim entscheidenden Schritt kam es deshalb vor allem auf das richtige Timing an.

Am 14. Februar 1876 reichte Bell die Anmeldung seiner Erfindung ein – doch er war nicht allein: Noch am gleichen Tag legte auch der Erfinder und Telegrafenexperte Elisha Gray Unterlagen für eine ähnliche Innovation vor. Doch Bell hatte die Nase vorn: Zwei Stunden Abstand reichten, damit ihm am 7. März 1876 das Patent erteilt wurde. Doch damit war die Sache zunächst noch nicht erledigt, denn Gray und weitere Erfinder stellten Bells Anspruch infrage: Es folgten juristische Auseinandersetzungen, die sich über Jahre hinzogen. 1888 bestätigte der US Supreme Court schließlich Bells Patentanspruch.

Am 9. Juli 1877 gründeten Bell und seine Geschäftspartner die »Bell Telephone Company«. Zuvor hatten sie noch versucht, die Patente für 100.000 US-Dollar an die Western Union zu verkaufen – ein Angebot, das die mächtige Telegrafengesellschaft ablehnte. Doch die damals noch als wenig lukrativ verschmähte Innovation sollte ihren Erfinder schon bald zum Millionär machen.

Die Welt rückt näher zusammen

Dass sich Bells finanzielle Situation veränderte, war allerdings nur eine Seite der Entwicklung: Mit dem Siegeszug des Telefons begann sich auch die Art zu verändern, wie Menschen miteinander kommunizierten, denn das Telefon machte Gespräche über große Entfernungen möglich und erleichterte damit auch das Aufrechterhalten geschäftlicher und privater Kontakte.

Bis die Technik allerdings selbst mobil wurde, sollten noch fast 100 Jahre vergehen. Erst am 3. April 1973 führte Martin Cooper von Motorola in New York den ersten öffentlichen Anruf mit einem tragbaren Mobiltelefon aus. Rund zehn Jahre später kam mit dem Motorola DynaTAC 8000X das erste kommerziell produzierte Mobiltelefon auf den Markt. Mit der Entwicklung des Smartphones einige Jahre später entstand schließlich ein Alltagsbegleiter, der als Navigationsgerät, Kamera, Kalender, Bankfiliale, Nachrichtenportal und Unterhaltungsgerät diente. Viele Aufgaben lassen sich damit inzwischen unabhängig vom eigenen Standort erledigen – doch ausgerechnet das klassische Telefonieren scheint in letzter Zeit seltener zu werden: Laut einer aktuellen Untersuchung des Branchenverbandes Bitkom wird das Smartphone hierzulande durchschnittlich 180 Minuten pro Tag genutzt – davon entfallen lediglich 26 Minuten auf die Telefonie. Die ursprüngliche Idee des Telefons ist indes bis heute geblieben: Menschen unabhängig von Ort und Entfernung miteinander zu verbinden.

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