Der East Room des Weißen Hauses war rappelvoll, als George W. Bush eintrat – im dunklen Anzug mit babyblauer Krawatte und seinem charakteristischen Lächeln. Thiel hatte einen halben Tag auf diesen Augenblick gewartet – als einer von rund zweihundert Tech-Managern, die ins Weiße Haus geladen worden waren, um den neuen Präsidenten zu treffen. Bush, ein Harvard-MBA-Absolvent, der sich auch noch als Geschäftsmann gerierte, als er bereits Gouverneur von Texas war, hatte das Silicon Valley während und nach seinem Wahlkampf aggressiv umworben und sich dabei auf Floyd Kvamme, Risikokapitalgeber bei Kleiner Perkins, als technischen und wissenschaftlichen Berater gestützt. Damit war er von der Tradition abgewichen, denn anders als frühere Vorsitzende des präsidialen Wissenschafts- und Technikbeirats war Kvamme kein Wissenschaftler.
Bush kam gleich zu Anfang auf die Dotcom-Blase zu sprechen und merkte an, »diese Regierung hat großes Vertrauen in die Zukunft unserer Technologiebranche«, obwohl »der Aktienmarkt derzeit eine etwas andere Botschaft vermittelt«. In der Rede, die er gerade mal zwei Monate nach seiner Amtseinführung im März 2001 hielt, versprach Bush, verstärkt fossile Brennstoffe zu fördern, die Körperschaftssteuern zu senken und sich für den uneingeschränkten freien Handel einzusetzen. Für den Fall, dass die Konjunktur weiter schwächeln sollte, gab er zu bedenken: »Die protektionistische Stimmung könnte in ganz Amerika hochkochen.« Der Präsident und Geschäftsmann versicherte dagegenzuhalten. »Wir sollten nicht versuchen, Mauern um unser Land zu bauen oder andere dazu zu ermutigen«, sagte er auf kleiner Bühne. »Vielmehr sollten wir Mauern niederreißen.«
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