Ich habe einen guten Bekannten, und der ist Inhaber einer großen Gewerbeimmobilie in Ostdeutschland, für die er im letzten Monat die Miete mit seinem Mieter neu verhandeln wollte. Da er (natürlich) mehr Geld von seinem Mieter fordern, gleichzeitig aber nicht den Anschein des kapitalistischen Ausbeuters aus dem Westen erwecken wollte, ließ er seinen Oberklassewagen in der Garage und mietete sich für die Fahrt zum Verhandlungsort einen Fiat 500 – was bei seiner Größe von 1,92 Metern schon eine Leistung für sich war.
Ein kluger Schachzug, der allein nicht zum erfolgreichen Vertragsabschluss führt, der aber einen möglichen Angriffspunkt (»reicher Wessi« oder »kapitalistischer Vermieter«) aus der Verhandlung schon im Vorfeld herausnimmt. Wenn Sie in gängige Bücher zum Thema Verhandeln schauen, dann wird Ihnen dort oft geraten, dass Sie sich elegant, gerne auch eine Spur eleganter als der Verhandlungspartner, kleiden sollen.