Die Fußball-WM lenkt den Blick auf Tore, Taktik und Titelchancen. Doch abseits des Rasens entsteht längst eine zweite Karrierewelt: Immer mehr Profis investieren in Start-ups, eigene Marken, Fonds oder Sportplattformen. Aus Top-Athleten werden Kapitalgeber, Markenmacher und Gründer mit Reichweite.
Die zweite Karriere beginnt vor dem Karriereende
Profifußballer verdienen in wenigen Jahren Summen, für die andere ein Leben lang arbeiten. Gleichzeitig endet die aktive Laufbahn oft schon mit Mitte 30. Genau daraus entsteht ein besonderer Druck: Wer sein Vermögen langfristig sichern will, muss früh entscheiden, was nach dem Fußball kommt.
Die aktuelle Generation der DFB-Spieler denkt dabei zunehmend unternehmerisch. Laut einer Analyse von «Das Investment» investieren einige Nationalspieler in Start-ups, Immobilien, eigene Marken oder Fonds. Entscheidend ist dabei: Ein Werbevertrag allein macht noch keinen Investor. Spannend wird es dort, wo Profis eigenes Kapital einsetzen, Gesellschaftsanteile halten oder Verantwortung in Unternehmen übernehmen.
Manuel Neuer als aktiver Unternehmer
Besonders breit aufgestellt ist Manuel Neuer. Der Torwart investiert über seine Beteiligungsgesellschaft MN Business GmbH und verbindet Kapital häufig mit Kontrollfunktionen. Bei der Deutsche Reinigungswerke AG, einem Hersteller von Reinigungsmitteln, ist Neuer Mitgründer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Auch an der Deutsche Kosmetikwerke AG ist er beteiligt.
Hinzu kommen weitere Engagements: Neuer war am Aufbau des Riegel-Start-ups Health Yeah beteiligt, ist Gesellschafter der Kaffeerösterei Alrighty und übernahm beim Radsport-Anbieter Rad Race die Mehrheit. Damit zeigt er ein Muster, das über klassische Sportlerwerbung hinausgeht: Er investiert nicht nur in Produkte, sondern in unternehmerische Strukturen.
Kimmich investiert in Foodtech, Sport und Software
Auch DFB-Kapitän Joshua Kimmich ist als Investor aktiv. Er beteiligte sich unter anderem an Precision Labs, einem Münchner Foodtech-Unternehmen, das an einer milcheiweißbasierten Alternative zu klassischer Milch arbeitet. Zudem ist Kimmich bei Padel City investiert, einem Anbieter von Plätzen für die Trendsportart Padel, sowie beim Software-Anbieter Eye-Able, der digitale Barrierefreiheit unterstützt.
Dass nicht jede Beteiligung aufgeht, zeigt sein Investment in The Football Company. Das Münchner Metaverse-Start-up sammelte 2022 Kapital von mehreren Fußballprofis ein, musste aber bereits 2023 Insolvenz anmelden. Auch das gehört zur neuen Realität: Wer als Sportler in Start-ups investiert, kauft nicht nur Chancen, sondern auch Risiko.
Vom Promi-Investment zum professionellen Netzwerk
Jonathan Tah geht einen etwas anderen Weg. Er investierte unter anderem in das Wiener Proteinriegel-Start-up Neoh und in das steirische Unternehmen Sansirro, das Gesundheits- und Bewegungsdaten über Kleidung erfasst. Besonders bemerkenswert: Tah ist auch Limited Partner beim deutschen Wagniskapitalgeber Robin Capital. Damit überlässt er einen Teil der Auswahl professionellen Fondsmanagern, statt ausschließlich einzelne Firmen selbst auszusuchen.
Auch David Raum bewegt sich in einem fußballnahen Ökosystem. Er investierte Ende 2025 in Prematch, eine Kölner App für Amateurfußball-Statistiken. Das zeigt, wie naheliegend Sporttech für aktive Profis ist: Sie kennen den Markt, verstehen die Nutzer und bringen neben Kapital vor allem Glaubwürdigkeit mit.
Warum Gründer davon profitieren können
Für Start-ups sind Fußballprofis mehr als prominente Geldgeber. Sie bringen Aufmerksamkeit, Zugang zu Netzwerken und oft eine junge, loyale Zielgruppe mit. Gerade bei Konsumgütern, Sportplattformen, Healthtech oder Lifestyle-Marken kann ein bekannter Athlet die Sichtbarkeit massiv erhöhen.
Doch der Trend verändert auch das Selbstbild der Spieler. Sie sind nicht mehr nur Werbeträger großer Marken, sondern bauen eigene Beteiligungslogiken auf. Aus Reichweite wird Kapital. Aus Bekanntheit wird Dealflow. Aus sportlichem Erfolg wird unternehmerische Anschlussfähigkeit.
Für die Founders-Welt ist das interessant, weil hier eine neue Investorengruppe entsteht: Menschen mit Geld, Marke, Disziplin und hohem öffentlichem Vertrauen. Nicht jeder Fußballprofi wird ein guter Unternehmer. Aber die besten von ihnen verstehen inzwischen, dass ein Karriereende nicht das Ende der Wertschöpfung sein muss.
SK