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Selbstständige arbeiten fast ein Drittel länger

Wo der Abstand zum durchschnittlichen Erwerbstätigen am größten ist

Pressemitteilung 

5 Min.

02.10.2026
  • Accountable analysiert die Wochenarbeitszeit von Selbstständigen und Erwerbstätigen in 106 deutschen Städten
  • Selbstständige in ostdeutschen Städten arbeiten pro Jahr fast eine komplette Arbeitswoche länger als im Westen
  • Die längsten Arbeitswochen leisten Selbstständige in Dessau-Roßlau, die kürzesten in Coburg
  • In Delmenhorst ist der Abstand zum Durchschnitt aller Erwerbstätigen am größten, in Wolfsburg am kleinsten

Während in Deutschland über eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes diskutiert wird, gilt für Selbstständige bereits heute keine gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit, da sie nicht unter das Arbeitszeitgesetz fallen. Wie viel sie tatsächlich arbeiten und wie stark sich das regional unterscheidet, zeigt eine Analyse der Steuer-App Accountable auf Basis der amtlichen Statistik. Ausgewertet wurden 106 kreisfreie Städte, um zu ermitteln, wie viele Stunden Selbstständige pro Woche leisten und wie weit sie damit über dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen liegen.

Acht Stunden Unterschied – ein kompletter Arbeitstag pro Woche

Selbstständige in Deutschland arbeiten im Durchschnitt 33,58 Stunden pro Woche. In die Auswertung fallen dabei auch Personen, die selbstständig im Neben- oder Teilerwerb tätig sind. Über alle Erwerbstätigen hinweg – also inklusive Teilzeitkräften, Minijobbern und Personen in Elternzeit – liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit dagegen bei 25,57 Stunden. Selbstständige arbeiten somit rund 31 Prozent bzw. acht Stunden pro Woche länger als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Das entspricht einem zusätzlichen vollen Arbeitstag. 

Ost-West-Gefälle: Im Osten kommt fast eine Arbeitswoche pro Jahr dazu

In ostdeutschen Städten arbeiten Selbstständige im Durchschnitt 33,34 Stunden pro Woche, in westdeutschen Städten sind es 32,81 Stunden. Die Differenz von gut einer halben Stunde summiert sich über ein Jahr auf 28 Stunden, was fast einer zusätzlichen Arbeitswoche entspricht. Auch im Ranking zeigt sich ein deutliches Muster: 16 der 18 Städte aus den neuen Bundesländern liegen in der oberen Hälfte, fünf davon in den Top Ten. Unter den zehn Städten mit den kürzesten Arbeitswochen findet sich dagegen keine einzige ostdeutsche Stadt.

Gleichzeitig ist der Abstand zum lokalen Durchschnitt im Osten etwas geringer als im Westen. Selbstständige arbeiten dort 28,2 Prozent mehr als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen, im Westen sind es 29,1 Prozent. Das liegt daran, dass auch die übrigen Erwerbstätigen in ostdeutschen Städten im Schnitt länger arbeiten: 26,01 Stunden gegenüber 25,41 Stunden im Westen.

In diesen Städten arbeiten Selbstständige am meisten

Die längste Wochenarbeitszeit haben Selbstständige in Dessau-Roßlau mit 34,64 Stunden. Auf den weiteren Plätzen liegen Frankfurt (Oder) und Schwerin mit jeweils 33,91 Stunden, Emden mit 33,82 Stunden, Delmenhorst mit 33,73 Stunden und Magdeburg mit 33,71 Stunden. Die kürzesten Arbeitswochen verzeichnen Selbstständige in Coburg mit 31,66 Stunden, in Flensburg mit 31,79 Stunden und in Braunschweig mit 32,16 Stunden. Zwischen der längsten und der kürzesten Arbeitswoche liegen somit knapp drei Stunden.

Noch deutlicher werden die Unterschiede beim Abstand zum jeweiligen lokalen Durchschnitt. Am größten ist dieser in Delmenhorst: Dort stehen 33,73 Wochenstunden bei Selbstständigen 24,41 Stunden im Gesamtdurchschnitt gegenüber. Das entspricht einem Plus von 38,2 Prozent bzw. 9,3 Stunden pro Woche. Es folgen Neustadt an der Weinstraße mit 36 Prozent, Rosenheim mit 34,6 Prozent, Landau in der Pfalz mit 34,1 Prozent und Bottrop mit 33,7 Prozent.

Am kleinsten fällt die Lücke in Wolfsburg aus. Dort arbeiten Selbstständige 32,85 Stunden pro Woche, während der Durchschnitt aller Erwerbstätigen bei 26,8 Stunden liegt. Das entspricht einem Abstand von 22,6 Prozent beziehungsweise gut sechs Stunden. Ähnlich gering ist die Lücke in Frankfurt am Main mit 22,6 Prozent, Hamburg mit 23,2 Prozent, Coburg mit 23,6 Prozent und Darmstadt mit 23,9 Prozent.

Accountable-Gründer: Selbstständige leisten längst mehr, als die Debatte vermuten lässt

»Unsere Analyse zeigt: Während in Deutschland über eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes diskutiert wird, arbeiten Selbstständige längst deutlich mehr als der Durchschnitt. Bundesweit sind es rund acht Stunden pro Woche zusätzlich. Auf ein Jahr gerechnet entspricht das mehr als 400 Stunden. Wenn über zusätzliches Arbeitsvolumen gesprochen wird, sollte man diese Gruppe deshalb nicht übersehen. Sie leistet bereits heute einen erheblichen Beitrag«, ordnet Tino Keller, Gründer und Geschäftsführer von Accountable, die Ergebnisse ein.

»Gleichzeitig sagt die reine Stundenzahl noch nichts darüber aus, wie sinnvoll diese Zeit eingesetzt werden kann. Viele Selbstständige verbringen einen Teil ihrer Arbeitszeit mit Buchhaltung, Steuerthemen, Belegen, Rechnungen oder neuen gesetzlichen Anforderungen wie der E-Rechnung. Das ist Zeit, die im eigentlichen Geschäft fehlt. Wer das Arbeitsvolumen in Deutschland erhöhen will, sollte deshalb nicht nur über längere Arbeitszeiten sprechen, sondern auch darüber, wie Selbstständige im Alltag entlastet werden können. Dazu gehören weniger bürokratische Hürden, einfachere Prozesse und digitale Lösungen, die steuerliche und administrative Aufgaben so weit wie möglich reduzieren. Genau hier setzen wir mit Accountable an. Wir wollen Selbstständigen helfen, weniger Zeit mit Verwaltung zu verbringen und sich stärker auf das zu konzentrieren, wofür sie sich selbstständig gemacht haben.«

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