Wenn er früher an Haustüren klingelte, ging es für die Bewohner oft um nichts weniger als um das Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz. Quasi täglich war Martin Ryf als Konkursbeamter mit persönlichen Schicksalsschlägen und gescheiterten Träumen konfrontiert. Dass er eines Tages eine berufliche Existenz im Empfehlungsmarketing aufbauen würde, hätte er sich damals kaum vorstellen können. Im Interview spricht er über seinen außergewöhnlichen Lebensweg, prägende Erfolge und schmerzhafte Rückschläge – und über eine Branche, die sich in einem grundlegenden Wandel befindet.
Herr Ryf, bevor Sie ins Empfehlungsmarketing gegangen sind, waren Sie als Konkursbeamter tätig – eine ungewöhnliche Laufbahn. Wie ist es zu dem Wechsel gekommen?
Die Jahre in dieser Zeit als Konkursbeamter waren natürlich schon eine sehr spezielle Zeit, weil ich viel mit Menschen zu tun gehabt habe, die bankrott gegangen sind. Viele Schicksale, viele Tragödien. Das hat sich natürlich auch in die Familie getragen. Ich habe miterlebt, dass die Leute mit den Fingern auf die Menschen gezeigt haben, die in Konkurs gegangen sind. Das hat mich so sehr geprägt, dass ich nach zwölf Jahren gesagt habe: »Ich kann das nicht mehr machen« – aber nicht wusste, wo der Weg hingeht. Somit habe ich ein Betriebswirtschaftsstudium gemacht – quasi zur Überbrückung. Das habe ich dann glücklicherweise abgeschlossen. Auf der Suche nach einer Anstellung bin ich dann in ein Seminar geraten, bei dem es zwei Tage lang um Empfehlungsmarketing ging. Nach vier Stunden bin ich geflüchtet. Mir war klar: »Niemals werde ich so etwas machen!« Aber trotzdem bin ich am nächsten Tag wiedergekommen, weil ich dachte, ich verpasse vielleicht doch etwas. Und am Sonntagabend war ich dann total begeistert, denn was ich da gefunden habe, waren zwei Sachen: Zunächst die persönliche Freiheit. Ich habe gesehen, dass die Leute dort arbeiten können, wo sie wollen, mit wem sie wollen, wann sie wollen, wie viel sie wollen. Das hat mir sehr gefallen, denn das hatte ich natürlich als Beamter nie. Und das Zweite war: Man kann im Empfehlungsmarketing den Menschen ein tolles Geschäft bieten. Man kann einfach starten – ohne Vorwissen. Sie können alles erreichen, was Sie sich vornehmen – ohne die herkömmlichen Risiken und Nachteile des Unternehmertums. Das hat mir wahnsinnig gefallen. Ich meine, als Konkursbeamter musst du die Dinge liquidieren, die noch da sind. Im Network Marketing ist es das Gegenteil: Du kannst den Menschen alles geben.
Beitragsbild: Rainer Häckl
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